Schriftzug
Geschichte(n) -> 08.10.1829 Stephan Finkler aus Grügelborn über die Kosten der Vormundschaft der Kinder seines Bruders Jakob.

Stephan Finkler, Maurer in Grügelborn, erklärte: sein Bruder Jakob Finckler, Ackerer in Grügelborn, sey dort 1818 [+ 21.08.1815] gestorben und habe seine Witwe Catharina Weicherding mit zwei Kindern namens Wendel und Franz Finkler hinterlassen. Die Witwe sey mit Johann Kannengießer, Ackerer in Grügelborn, zur 2ten Ehe geschritten und im November vorigen Jahres ebenfalls gestorben [+ 17.11.1828].

 

Er sey jetzt zum Vormund der minorennen Kinder ernannt worden. Eine langwierige und hartnäckige Krankheit, an deren Folge seine Schwägerin gestorben sey, habe im verwichenen Jahr die ganze Haushaltung des Kannengießer hart heimgesucht, so daß er nach dem Tod ihrer Mutter seine Bruders Kinder kränkelnd in seine Wohnung habe aufnehmen und mitverpflegen müssen. Im Monat Februar und März laufenden Jahres seyen beide ebenfalls gestorben und dadurch ihre Vermögen an ihre durch ihre Mutter mit ihrem Stiefvater Kannengießer erzeugte Halbgeschwister übergegangen.

 

Die Unterhaltung und Verpflegung dieser Finkler’schen Kinder sowie ihr Ableben hätten manche Auslagen und Kosten veranlaßt, die er, obschon er noch keine Einnahm für dieselbe gemacht hatte, bestritten habe. Diese Auslagen und Kosten seyen ihm nun die noch unmündige Kannengießers Kinder als Erben seiner verlebten Pflegbefohlenen schuldig zu ersetzen. Er habe daher ihrem Vater und Vormund , dem mehrgenannten Kannengieser, Rechnung darüber gestellt und versucht, denselben dahin zu bewegen, diese Rechnung in Güte anzuerkennen; da derselbe aber nicht dazu zu bewegen gewesen sey, so habe er sich entschlossen, diese seine Rechnung in einer anderen Form zu stellen und gerichtlichen Weg einzuschlagen, um zu seinem ihm aus derselben Herausscheinen des Guthaben zu gelangen, fordere uns deshalb auf, das Verzeichniß und resp. Rechnung seines Guthabens wie folgt vorzunehmen.

 

a. den Wendel betreffend.

Vormund hat bezahlt:

1. an die Anton Kirschen Wittib

von St. Wendel für Wein Brandwein

und Kreide                                                                                 2-19

2. An Peter Bick von Grügelborn

für Wein                                                                                    0-05

3. An denselben desgleichen                                                         0-08

4. An den Herrn Apotheker Riegel

von St. Wendel für Medicamenten

am ein und zwanzigsten Februar l.J.                                               2-16

5. An den Herrn Doctor Steininger

von da für ärztliche Behandlung

an demselben Tag                                                                       2-36

6. An Johann Kohl von St. Wendel

des gleichen an demselben Tag                                                     1-48

7. An Wendel Schnur von Grügelborn

für die Todtenlade am ein und

zwanzigsten Februar l.J.                                                               1-12

8. An Jakob Lang von Grügelborn

für die Leiche auf den Gottesacker

nach Furschweiler zu fahren

am zwey und zwanzigsten desselben Monats                                   0-30

9. An Jakob Becker Schmidt von

Grügelborn für Griff, an die

Todtenlade an demselben Tag                                                       0-48

10. An Johann Wolf von Grügelborn

für Brandwein bei der Bewachung

der Leiche                                                                                 0-42

11. An Wendel Alles von da für Lorbeersträus                                   0-04

12. An Michel Kannengieser von da desgleichen                                0-08

 

Dann rechnet Vormund auf:

1. Für gelieferte Nägel zu der Todtenlade                                        0-12

2. Für Verpflegung während neunzehn

Tag, Während Welchen der Verstorbene

noch ziemlich gesund ward, fünfzehn Kreutzer des Tags                     4-45

3. Für Verpflegung Beköstigung

und Bewachung während den

zwölfletzten Lebenstag

wo er stets gefährlich krank und

die ganze Haushaltung mit ihm

beschäftigt war, für Bettung

und Getüch, welche durch die besondere

Verhältnisse sehr gelitten haben,

per Tag einen Gulden macht                                                         12-00

total                                                                                        29-33

 

B. den Franz betreffend.

 

Vormund hat bezahlt:

1. An die Anton Kirsch Wittib von

St. Wendel für Wein Brandwein

und Kreide                                                                                 2-27

2. An dieselbe desgleichen                                                            1-36

3. An dieselbe für Wein am vierten Merz letzthin                               0-30

4. An Nicolaus Haßdenteufel

von Grügelborn für Lorbeersträus

am sechsten Merz l.J.                                                                  0-16

5. An Johann Wolf von Grügelborn

für Brandwein am sechsten Merz letzthin                                         0-18

6. An Jakob Becker, Schmidt von da,

für Nägel und Griff an die

Todtenlade vom siebenten selben Monats                                        1-00

7. An Wendel Schnur von da für

die Todtenlade an demselben Tag                                                  1-12

8. An Krämer Bruch von St. Wendel

für BlauPapier                                                                             0-03

 

Dann rechnet Vormund sich auf:

a. Für zwey Monatliche Verpflegung

Beköstigung etc. während dem der

Verstorbene sehr krank war,

und zwar

1. Für den ersten Monat zwanzig

Kreutzer per Tag, machend                                                           10-00

2. Für den zweyten Monat

ad 12 Batzen per Tag                                                                  24-00

Total                                                                                        41-22

 

C. beide betreffend

 

Vormund hat bezahlt:

1. An Krämer Bruch von St. Wendel

für Kreide, Kinruß (Kniruß?), Bänder etc.

am zwanzigsten Februar 1829                                                       0-33

2. An Metzger Johann Blaumeyer

von St. Wendel für Fleisch zum

Leichenims am zweyten März l.J.                                                   0-36

3. An Jakob Klein von Furschweiler

für einen Grabstein am zwey

und zwanzigsten desselben Monats                                                4-30

4. An Jakob Hampel Küster

in Furschweiler für Begräb=

niß Kosten an demselben Tag                                                        2-00

5. An Herrn Pastor Gerhard

von da, desgleichen am neun

und zwanzigsten selben Monats                                                     32-30

6. An Catharina Klein von Grügelborn

für Aufwarterlohn während

zwey Nächte                                                                             0-20

7. An Herrn Martinstein

von St. Wendel für Steuer

am neunten vorigen Monats                                                          1-48

 

Dann rechnet Vormund an:

a. Für neun Stück Diel welches zu den

beiden Todtenladen geliefert,

ad acht und dreißig Kreutzer einer                                                  5-42

b. Für Kosten von den beiden Leichen

Imser, blos was seine Haushaltung

dazubeigetragen,                                                                        4-00

c. Für acht Brodt welche bei dem

Bewachen der beiden Leichen

verzehrt worden ad sechzehn

Kreutzer eins                                                                             2-08

D. für Gäng und Versäumnisse:

1. Einen Tag bei der Vormundsernennung                                        0-30

2. Ein Tag bei der Versteigerung                                                    0-30

3. Zwey Täg bei der Vorarbeit

zu der Versteigerung und

Inventur                                                                                   1-00

4. Einen Tag bei der Inventur                                                        0-30

5. Für fünf Gäng zu Herrn

Doktor Steininger von

St. Wendel ad fünfzehn Kreutzer einer                                            1-15

6. Für den heutigen Tag                                                               0-30

 

E. Die Kosten der früher entworfenen

und dem Kannengieser vorgelegten Rechnung

welche Rechnungsableger an den unterzeichneten Notaer

bezahlt hat mit                                                                           2-00

Total                                                                                        60-22

 

Recapitulation

Die Rechnung beträgt

1. Für den Wendel                                                                      29-33

2. Für den Franz                                                                         41-22

3. Für beide                                                                               60-22

In allem                                                                                    131-17

 

Worüber dieser Akt errichtet wurde auf der

Schreibstube des Notaers am 8. Oktober 1829

in Gegenwart von Peter Spies, Tuchmacher,

und Nicolaus Breininger, Schneider, beide

in St. Wendel wohnhaft, gekannte und erbetene

Zeugen, welche nach geschehener Vorlesung

mit dem Comparenten und uns Notaer

unterschrieben haben.

 

Stefan Fincklerß

Peter Spies

Nickel Breininger

Hen

 

Quelle: Landesarchiv Saarbrücken, Notariat St. Wendel, Notar Hen, Nr. 620 vom 08.10.1829

 

 

Genealogie:

 

 

1. Generation

 

     1. Matthias Finkler wurde geboren am 20.10.1742 in Marpingen und starb am 25.07.1786 in Grügelborn, oo Maria Margarethe Schnur am 12.01.1768 in Oberkirchen. Sie wurde geboren am 1753 in Hoof und starb am 08.01.1813 in Grügelborn.

 

Kinder von Matthias Finkler und Maria Schnur sind:

     2          i.  Maria Barbara Finkler * 03.03.1769 in Grügelborn + 14.08.1769 in Grügelborn.

+   3           ii.   Stephan Finkler * 17.07.1770 in Grügelborn + 17.04.1840 in Grügelborn.

     4        iii.  Johann Finkler * 25.09.1772 in Grügelborn + 11.04.1852 in Grügelborn.

     5        iv.  Wendel Finkler * 12.10.1774 in Grügelborn + 13.05.1837 in Oberlinxweiler.

     6         v.  Anna Margarethe Finkler * 21.10.1776 in Grügelborn.

     7        vi.  Anna Katharina Finkler * 03.09.1778 in Grügelborn.

+   8        vii.   Jakob Finkler * 10.09.1780 in Grügelborn + 21.08.1815 in Grügelborn.

 

 

2. Generation

 

     3. Stephan Finkler wurde geboren am 17.07.1770 in Grügelborn und starb am 17.04.1840 in Grügelborn, oo Elisabeth Weigerding am 26.01.1796 in Oberkirchen, Tochter von Nikolaus Weigerding und Elisabeth Alles. Sie wurde geboren am 05.10.1769 in Grügelborn und starb am 26.01.1837 in Grügelborn.

    

Kinder von Stephan Finkler und Elisabeth Weigerding sind:

     9          i.  Wendel Finkler * 01.11.1796 in Grügelborn, oo (1) Maria Elisabeth Thiel am 06.02.1822 in Oberkirchen, oo (2) Katharina Haab am 02.02.1825 in Grügelborn

     10       ii.  Katharina Finkler * 20.01.1800 in Grügelborn.

     11       iii.  Margaretha Finkler * 01.01.1801 in Grügelborn + 22.07.1807 in Grügelborn.

 

     8. Jakob Finkler, Steinmetz, wurde geboren am 10.09.1780 in Grügelborn und starb am 21.08.1815 in Grügelborn, oo Anna Katharina Weigerding am 01.02.1808 in Oberkirchen, Tochter von Nikolaus Weigerding und Elisabeth Alles. Sie wurde geboren am 04.10.1785 in Grügelborn und starb am 17.11.1828 in Grügelborn.

 

Kinder von Jakob Finkler und Anna Weigerding sind:

i.   Wendel Finkler * 07.02.1811 in Grügelborn + 21.02.1829 in Grügelborn.

ii.   Franz Finkler * 12.12.1813 in Grügelborn + 04.03.1829 in Grügelborn.

 

 

 

Historische Forschungen · Roland Geiger · Alsfassener Straße 17 · 66606 St. Wendel · Telefon: 0 68 51 / 31 66
E-Mail:  alsfassen(at)web.de  (c)2009 hfrg.de

Diese Website durchsuchen

Suchen & Finden  
erweiterte Suche