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Kapellen in St. Wendel -> Die Magdalenenkapelle in St. Wendel -> Wendelskapelle oder Magdalenenkapelle?

Aus dem Jahr 1665 erhalten wir die Nachricht, die Wendelskapelle sei ausgeraubt worden. Nun ja, werden Sie jetzt sagen, das ist natürlich schlimm, aber was hat das mit der Magdalenenkapelle zu tun?

 

In den Unterlagen trägt diese verschiedene Namen. Natürlich ‘Magdalenenkapelle’ oder auch ‘Maria-Magdalenen-Kapelle’, wahlweise in Deutsch oder Latein. Im späten 15ten und im 16ten Jahrhundert heißt sie in Deutsch nur noch die ‘Kapelle’, mit ‘K’ oder ‘C’, mit einem oder zwei ‘p’ und einem oder zwei ‘l’. Im 17. Jahrhundert ‘ also nach 1600 ‘ wird sie dann die ‘Wendelskapelle’ genannt. Die Kapelle, die wir heute ‚Wendelskapelle’ nennen, ist erst 1755 als Privatkapelle der Familie von Hame errichtet worden.

 

Ich habe lange überlegt, was der Grund für den ‘Namenswechsel’ gewesen sein könnte und denselben in der Verehrung der hl. Maria Magdalena gesucht, die mehr eine Metz’sche Heilige ist als eine Kurtrierische. Mein Freund Johannes Naumann hat bei einem unserer Gespräche einen anderen Grund ins Spiel gebracht, der nicht von der Hand zu weisen ist. Seiner Meinung nach liegt die Bezeichnung ‘Wendelskapelle’ für die Magdalenenkapelle nicht in der ‘Person’ der hl. Maria Magdalena begründet. Wäre die Kapelle dem wichtigsten Heiligen des Bistums Metz, dem hl. Stefan, geweiht worden, wäre es diesem vermutlich genauso gegangen. Viel mehr erinnere die Bezeichnung ‘Magdalenenkapelle’ immer wieder an die Ereignisse in der Mitte des 15. Jahrhunderts, als St. Wendel aus dem Bistum Metz herausgenommen und dem Bistum Trier zugeordnet wurde, und es sei deshalb die Bezeichnung ‘Wendelskapelle’ gewählt worden. Die Entscheidung der Inkorporation der Pfarrei wurde 1461 von Papst Pius II getroffen und geschah auf Anfrage des Trierer Erzbischofs Johann II von Baden. Eine schlechtes Gewissen also als Grund für den Namenswechsel?

 

Was damals 1665 geraubt wurde, bleibt uns unbekannt; wahrscheinlich hat man den Opferstock geplündert. Das war dennoch ziemlich dreist, denn das Gebäude lag innerhalb der Stadtgrenzen und damit innerhalb der alten Stadtmauer.

 

Anläßlich der planmäßigen Zerstörung der Stadt durch die Franzosen am 2. Februar 1677 und den darauffolgenden Tagen findet die Magdalenenkapelle keine Erwähnung. Allerdings wird sie auch nicht bei den ‘überlebenden’ Gebäuden genannt. Als sicher gelten daher nur die Pfarrkirche, der alte Triererhof oberhalb des Dreiecks und das heutige Restaurant ‘Canape’, das Wohnhaus des damaligen Stadtschultheisen Philipp von Hame. Nun war die Zerstörung der Stadt damals nicht so total, wie wir bisher angenommen haben und es auch noch gern bei der Stadtführung erzählen (kommt immer gut J). Das liegt wieder einmal an der bescheidenen Quellenlage und an dem, was alle, die sich danach damit beschäftigten, dort hineininterpretiert haben. Das flächendeckende ‘tabula rasa’ hat wohl so extrem nicht stattgefunden.

 

1703 steht die Kapelle jedenfalls noch (oder schon wieder). In der Nacht vom 4. zum 5. März liegen französische Truppen in der Stadt und haben in der Magdalenenkapelle Alarmquartiere bezogen.

 

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