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Brühlstraße 13

 

Wie wir bereits erfahren haben, wurde das Haus - eigentlich nur ein Teil des viel größeren Anwesens Flur 6 Nr. 28 - am 23. April 1891 an den Kaufmann Jakob Trost und seine Ehefrau Catharina Fremgen verkauft.

 

Um 1900 wohnte hier - an der Ecke in die heutige Mia-Münster-Straße - eine Familie namens Zerndt. Vater Karl war Königlicher Steuereinnehmer und stammte aus Schwiebus, einem kleinen Ort etwa 20 km östlich von Hamburg, wo er 1834 geboren wurde. Eine frühere Kommandierung hatte das Ehepaar nach Grunewald im niederländischen Kreis Asperden nahe der Stadt Goch geführt, wo Karl vermutlich als Zöllner arbeitete und zwischen 1868 und 1878 ihre vier Kinder zur Welt kamen. Den Namen Zerndt kennt heute in St. Wendel niemand mehr. Henriette starb am 9. März 1900 in St. Wendel, Karl folgte ihr im darauffolgenden Jahr am 22.02.1901. Bereits im Jahre 1891 wird der Lehrling Hermann Zerndt in einer Steuerliste genannt; seine Anwesenheit in St. Wendel dürfte der Grund gewesen sein, daß die Familie auch hierherkam. Das Haus wurde nicht von den Eltern, sondern von ihren beiden ältesten Kinder Ernst und seiner Schwester Anna, er Kaufmann, sie "Kauffräulein", im August 1896 von einem jüdischen St. Wendeler Kaufmann namens Hermann Wildmann aus Hoerden bei Rastatt , Ehemann von Clotilde Sternberg, erworben, der es selber zwei Jahre zuvor von Jakob Trost gekauft hat. Nach dem Tod ihrer Mutter hielt es die Zerndts nicht mehr in St. Wendel, im November des gleichen Jahres bereits verkauften sie das das Anwesen, bestehend aus Wohnhaus, Hofraum und Hausgarten für 15.350 Mark an den Sattlermeister Nikolaus Weynand und seine Ehefrau Johanna geb. Müller. Zehn Jahre wohnen Weynands hier, dann verkaufen sie das Haus im November 1908 für 24.600 Mark an den Sattler Nikolaus Scherer und seine Ehefrau Elisabeth Thome aus Breiten, der laut Adressbuch auch im Jahre 1911 hier noch seine "Handlung" betreibt. Auffällig ist, daß das Ehepaar zwischen 1905 und 1908 scho mehrmals kleinere Kredite aufgenommen hat. Im Juni 1909 erhalten sie von dem St. Wendeler Tabaksfabrikanten Wilhelm Marschall ein weiteres Darlehen, diesmal über 11.000 Mark, und das bricht ihnen im Laufe der nächsten Jahre im übertragenen Sinne das Genick. 1911 wohnen sie noch im Haus, danach wird es gepfändet, neuer Eigentümer wird der Kreditgeber Wilhelm Marschall. Im Mai 1916 verkaufte der St. Wendeler Bürgermeister Alfred Friedrich als Testamentsvollstrecker des Nachlasses des Tabakfabrikanten Wilhelm Marschall aus St. Wendel das Anwesen für 20.700 Mark an den Kaufmann Josef Bruch, der ja auch schon etwas länger als 10 Jahre zuvor gegenüber das Gelände des heutigen Posthofes erworben hatte.

 

Um die Jahrhundertwende hat das Haus interessante Mieter: den Theaterdirektor Anton Bräuning aus Frankfurt am Main mit Ehefrau Oktavia und ihren vier Kindern, und den selbständigen Schauspielern Karl Hagemann (Bräunings Schwiegersohn), Anna Maria Henriette Schultz, Karl Nack und Edwin Werther. Ebenfalls zum Ensemble gehören Alexander Karl Reinhold Reinhard genannt "Hetze" und seine Ehefrau Ottilie. Sie wohnen in Wilhelmstraße 2. Am 18. Oktober 1902 verlassen sie St. Wendel in Richtung Mayen in der Eifel.

 

In den 1930ern eröffnete Franz Kockler aus Illingen einen Kolonialwarenladen, der Korbwaren, Zigarren, Zigaretten und Flaschenbier anbot. Und an manchen Tagen roch die ganze Brühlstraße nach geröstetem Kaffee, und zwar immer dann, wenn die Kaffeerösterei in Betrieb war. Im Jahre 1949 hatte sich das Sortiment an sich nicht viel verändert: Kolonialwaren, Putzartikel und Bürstenwaren, Weine und Spirituosen ? und die Warenart, die dem Laden in der Stadt seinen Namen gab: Feinkost Kockler.

 

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