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Menschen -> Nikolaus von Cues - Cusanus -> 1833 Bericht über Nicolaus von Cues

St. Wendel den 16ten October 1833

 

Werthester Herr Rector und Pastor.

 

Auf ihre Bitten durch H. Pastor Petri in Bliesen und H. Subregens Steininger habe ich die Ehre, Folgendes über die Verwaltung der Pfarrei St. Wendel durch den Nicolaus Cusanus zu berichten.

 

Die Beweise dafür sind von dieser Seite diese:

 

1) Wird dieser Verwaltung erwähnt von Hontheim Hist. Diplan. (?) Tom. II Dispertatione Saeculo XV praemisso §§ X et XI Vom Jahre 1419-1442 war der Weihbischof von Trier, Joannes de Monte, Episcopus Arotensis Verwalter der Pfarrei St. Wendel, wie dies seine Grabschrift bei Hontheim ibeweiset. Diesem scheint der Nicolaus Cusanus in der Administration gefolgt zu seyn, wenn er auch gleich diese Pfarrei sowenig selbst als sein Vorfahr, in Person verwaltet haben mochte.

 

2) Ist die Kanzel der Kirche zu St. Wendel offenbar vom Cusanus. Sie trägt die Jahreszahl 1462, das Wappen, den Kardinalshuth und den Krebs des Cusanus, der Joannes Krips geheißen haben soll.

 

3) Steht noch dafür das sogenannte Rectors Haus zur Linken des Pfarrhauses, welches offenbar aus den Zeiten des Cusanus ist. Auf der vordern Fasade ist der Cardinals- huth des Cusanus und in der Mitte desselben die Statuen des h. Nicolaus und des h. Wandalinus. Dieses Haus gehörte früher zum hiesigen Pfarrhause, wurde noch 1701 dazu gezählt und die Kaplanei genannt. Beide Häuser, das Pfarr- und das Rectors'Haus hatten von der vordern Seite keinen Ein= und Ausgang, sondern durch den zwischen beiden gelegenen Hof gang der Ein= und Ausgang, die Ein= und Ausfahrt zu und aus beiden. Obgleich das Pfarrhaus 1718 neu gebaut worden, so ist doch der Eingang in dasselbe erst später eingehauen worden, wie dies die Wand selbst ausweist, und noch bis heute hat der Pfarrer das Recht durch diesen Hof aus= und einzugehen und zufahren, warum dann noch eine Thüre und ein Thor in diesem  Hofe dazu vorhanden sind. Im Jahre 1728 scheint es darüber zum Prozeß gekommen und der Parrei St.  Wendel der Besitz dieses Hauses streitig gemacht worden zu seyn. Wie es scheint verlor die Pfarrei diesen Prozeß, und beiläufig 1750 den Besitz des Hauses.

 

4) hat der Cardinal Cusanus die Canonisation des hl. Wendels in Rein bewirkt, und empfing das Bresse (?) desselben aus den Händes des Pastor, wie dies ein Ölgemälte im hiesigen Chore ausweiset.

 

5) Bezog, soweit unsere Urkunden reichen, das Spitall zu Kues den halben Ertrag des Opferstocks in der Kirche zu  St. Wendel, und dann mußte das Spital Kues 7 Malter Korn an die Kirchenfabrik dahier jährlich zahlen, worüber jedoch unsere ältesten Kirchenrechnungen von 1519 und 1530 noch schweigen. Die angeführten Monumente sprechen wohl zu Gunsten der Erzählung des Hontheim und die Dienste beweisen die er leistete für die Canonisation des hl. Wendels, beweisen offenbar eine besondere Vorliebe und auch ein Interresse des Cusanus für St. Wendel, die das Vermuthen lassen, was Hontheim erzählt.

 

Jndesten bleibt es Ihnen überlassen, diese Sache weiter zu untersuchen und zu beleuchten, und die überwiegenden Gründe entscheiden zu lassen.

 

Das Archiv von Cuse wird wohl über den Opferstock, die 7 Malter Korn und das Rectors Haus weitere Aufschlüsse geben und vielleicht noch andere Nachrichten über die Pfarrei St. Wendel und ihr Verhältniß zu Cues und dieses zu jenem enthalten, die mir willkommen seyn würden, deßwegen bitte ich ergebenst darum, und werde zu jedem Gegendienste stets bereit seyn.

 

Euer Hochwürden

ergebenster Diener

F. Creins, Pastor.

 

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Bistumsarchiv Trier

Akten, die Pfarrei St. Wendel betreffend.

 

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