Schriftzug
Allerlei -> Ob jetzt bei uns der Krieg ausbricht?

Ein Freitag abend im September 2004 um  22:06 Uhr.

 

Ich sitze ahnungslos vor meinem PC und kämpfe mit meinem Buchhaltungsprogramm, als ein dumpfes Dröhnen mich innehalten läßt. Es wird lauter und lauter, erfaßt das Haus und läßt es beben, es geht durch Mark und Bein und Mensch und Tier. Jetzt ist es überm H^HHHausHaus und darüber hinweg. Nichts hält mich mehr auf meinem Sitz, ich springe auf und eile vor die Haustür und starre in den lauen dunklen Nachthimmel und sehe - nichts. Und doch sind sie dort oben in der Dunkelheit über der Stadt, kommen von Bliesen her und fliegen über Alsfassen hinweg Richtung Süden in die Stadt hinein. Hubschrauber. Zwei vorne weg, einer mit einem vagen Blinklicht am Heck, grad so zu erkennen. Und noch einer hinterher. Der ist gar nicht zu sehen, nur am Geräusch zu erkennen, als er vielleicht 300 Meter hoch über unser Haus hinwegrauscht. Tiefer darf er eh nicht, doch hat uns das damals oben in Niedersachsen bei den Heeresfliegern auch nie gestört.

 

Oh, das macht Laune, das können Sie glauben. Man sitzt geborgen im Hubschrauber, neben sich die Kameraden, und rast durch die Dunkelheit. Ein Stück versetzt nach vorne schwebt ein weiterer Vogel, ein Zwilling dessen, in dem man selber mitfliegt. Und knapp hintendran ein dritter. Sie fliegen in Formation, perfekt aufeinander abgestimmt. Das Land dort unten ist fast unsichtbar, nur gelegentlich erhellt durch Straßenlaternen und Fenster. Ein irres Gefühl. Die Piloten sind jung und trotzdem erfahren. Das müssen sie sein, denn diese phantastische Art der Fortbewegung ist nicht ungefährlich. Eine Fehlinterpretation, eine falsche Bewegung, und die Perfektion verwandelt sich in eine Katastrophe. Aber heute sehe ich die Gefahr anders. Die sind viel zu niedrig und vor allem viel zu dunkel.

 

Ich renne ins Haus zurück und greife zum Telefon, um die Polizei zu informieren. Der Beamte am Telefon wundert sich nicht wenig über den Anruf, als ich ihm sage, die Hubschrauber müssen in wenigen Sekunden bei ihm sein, doch seine Antwort geht in neuem Schwirren und Dröhnen unter, als die zweite Welle über uns hinwegfliegt. Wieder sind es mindestens drei Maschinen, zwei vorne weg, eine hinterher. Und wieder sehe ich nur ein winziges flackerndes Licht am Heck der letzten Maschine.

 

Der Polizeibeamte hat die Sache nachgeprüft: da liegt eine Meldung vor, daß die Bundeswehr mit Hubschraubern übt. Nichts dagegen, auch nachts muß geübt werden, aber ohne Licht und damit bei minimalem Sichtkontakt zueinander in geringer Höhe und noch über dicht besiedeltem Gebiet. Das ist schon eine gewagte Sache. Nicht nur für die Männer in den Maschinen. Auch für uns auf dem Boden.

 

Und manch einer, der gerade die Abendnachrichten gesehen hatte, in denen das Grauen aus Tschechenien direkt in unsere Wohnzimmer geliefert wurde, fragte sich: "Ob jetzt wohl auch bei uns der Krieg ausbricht?"

Historische Forschungen · Roland Geiger · Alsfassener Straße 17 · 66606 St. Wendel · Telefon: 0 68 51 / 31 66
E-Mail: rolgeiger(at)aol.com · (c)2009 hfrg.de

Diese Website durchsuchen

Suchen & Finden  
erweiterte Suche