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Geschichte(n) -> 1958 Was ist mit den Weltraumtoten?

Was ist mit den Weltraumtoten?

 

Tote geistern 3 bis 250 Jahre durch das All - erst dann wird ihr Körper verbrennen

 

Mit dem Schritt über die Schwelle des Weltalls und auf den Boden anderer bewohnter Planeten stehen der Weltmenschheit eine ganze Serie schrecklicher Gefahren bevor. Die Herren der irdischen Technik werden sich in aller Kürze einer neuen Phase der strahlenmedizinischen Forschung widmen müssen, um im Raum vor den dort drohenden "Strahleninfektionen" sicher zu sein. Die irdische Atmosphäre läßt nur 0,082 Prozent der kosmischen Keimstrahlen auf die Erde herniederdringen. Draußen, im Weltraum aber, werden die gefährlichen Strahlen - und nicht nur die technisch abfangbaren - mit aller Gewalt auf den menschlichen Körper prasseln.

 

Der amerikanische Luftwaffenarzt G. B. Kellog hat bereits vierzehn Gruppen und in jeder Gruppe hundert Weltraumkrankheiten registriert. Er befaßt sich seit über einem Jahrzehnt mit dem Studium der außerirdischen Strahlungstätigkeit. Von ihm, der gleichzeitig Physiker und Techniker ist, und seinen Mitarbeitern entwickelte medizinische Strahlungsgeräte sind in höchste stratosphärische Schichten gebracht worden. Siebenmal nahmen die Amerikaner aber auch schon Messungen in Höhen von 800 bis 1000 km vor. Das medizinische Ergebnis lautet: Weltraumkrankheiten müssen schrecklich sein. Gegen die schleichende Strahleninfektion gibt es zur Zeit noch kein perfektes Abwehrmittel. Strahlungswidrige Drogen und ein bisher für vollkommen gehaltener Körperschutz sind nicht ausreichend. Aber im nächsten Jahr werden schon die meisten kosmischen Keimstrahlen für den menschlichen Körper ungschädlich gemacht werden können.

 

Die Zahl der Weltraumtoten der nahen Zukunft und auch in der späteren Zeit des selbstverständlichen Weltraumverkehrs wird jedoch nicht gering sein. Sie wird hundert und später Tausende betragen. Die kosmischen Keimstrahlen, z. T. aus der Herkunft fremder, den irdischen schädlichen Kulturen, werden hier und da den Weg in den menschlichen Organismus finden und ihn in schrecklicher Weise infizieren. Es gibt z.B. eine Keimstrahlengruppe, die die Zellen jedes Weltraumfahrers zu einem überdimensionalen Wachstum anregt. Es ist aber kein Krebs, sondern eine Ausdehnung der Urzelle. Die völlige Entartung der dem Tod Geweihten ist die Folge. Eine andere Keimstrahlengruppe läßt Körperteile, auf die sie einfällt, binnen weniger Tage zu Staub zerfallen und frißt sich durch den Körper bis zur anderen Seite hindurch. Es gibt die P-2-Keimstrahlen, die das Blut verwässern, andere, die Knochen und Mark erweichen, und wieder andere, die zur augenblicklichen Erblindung führen.

 

Am unbekanntesten sind die im Kosmos auftretenden Strahlen, die die Haut dunkelbraun bis schwarz färben und den Strahlenverbrennungstod auslösen. Der Verdacht, sie könnten mit dem Licht zu tun haben oder ultravioletter Herkunft sein, hat sich als falsch erwiesen. Weltraumtote oder auch Menschen, die infolge ganz natürlicher Krankheiten im All versterben, dürfen nach Ansicht der Wissenschaftler nicht zur Bestattung auf die Erde zurückgebracht werden. Ihr Körper ist ein unheimlicher Strahlenherd. Auch der, der sich eine Strahleninfektion im Weltraum zuzieht, darf die Erde, so lange er auch nur im mindesten von Keimstrahlen infiziert ist, nicht wiedersehen.

 

Es wird Aussätzige des Raumes geben, Verbannte und Siechende, die wegen Gefährdung der ganzen Menschheit die Erde nicht mehr betreten dürfen. Ein Weltraumtoter, der auch nur für kurze Zeit dem vollen kosmischen Strahleneinfall ausgesetzt gewesen ist, würde, in der Erde bestattet, einen gefährlicheren Strahlenherd darstellen als ein mittlerer bis großer ungeschützter Atomreaktor. Weltraumtote, die also irdisch nicht beigesetzt werden dürfen, geistern drei bis 250 Jahre als "Satelliten" oder eigene "Raumkörper" durch das All.

 

Während die nahe der Erde im Raum Bestatteten bald in die Stratosphäre stürzen und dabei "eingeäschert" werden, müssen die weiter draußen, zwischen den Planeten Beigesetzten, den kosmischen Gesetzen folgend, so lange durch den Raum ziehen, wie sie einerseits die Weltraumkälte isoliert und andererseits die jedes Gewebe zerstörenden Keimstrahlen benötigen, um den menschlichen Körper zu Weltraumstaub zerfallen zu lassen. Bemittelte leisten sich vielleicht eine Feuerbestattung im All, die dann später einmal durch Gesetz jedermann vorgeschrieben werden wird, der den Strahlentod zwischen den Planeten erleidet. Auf diese Weise lassen die Fahrzeuge des Weltraumverkehrs keine Infektionsherde zurück. Doch Unglücke gibt es überall, und so ist nicht ausgeschlossen, daß ein Weltraumschiff noch nach Jahrzehnten plötzlich im schwerelosen Raum einem dahinschwebenden Toten begegnet, der 250 Jahre als leblose Hülle durchs All geistert.

                                                                                                                          GH

 

 

Quelle: Wochenpost Nr. 17 vom 25.04.1958, Seite 5

 

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