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Geschichte(n) -> Zeittafel zur Geschichte der Stadt St. Wendel

Zeittafel zur Geschichte der Stadt St. Wendel

 

1. Jahrh. nach Christus:

Im Zentrum des heutigen Vorortes Alsfassen wird ein römisches Landhaus gebaut, das bis etwa ins 4. Jahrhundert bewohnt und dann aufgegeben wird. Im 10. Jahrhundert werden in den Ruinen Bestattungen vorgenommen.

 

Um 600: Der historische Wendalinus soll hier gelebt haben.

 

Im Jahre des Herrn 634: Durch das Testament des Adalgisel gen. Grimo kommt Tholey in den Besitz des Bistums Verdun; der Ort Basonisvillare wird einige Jahre später aufgekauft und an Verdun geschenkt.

 

7. bis 9. Jahrh.: Die Verehrung des heiligen Wendelin setzt ein und wird schnell überregional. Die Menschen pilgern zu seinem Grab.

 

10. bis 13. Jahrhundert: Eine Folge der Wendelsverehrung ist der Wechsel des Ortsnamens von Basonisvillare auf "St. Wendel".

 

vor 1318:Die Magdalenenkapelle, das älteste Gebäude in St. Wendel, wird errichtet. 1318 steht sie bereits.

 

1328: St. Wendel gehört den Grafen von Saarbrücken und den Herren von Kirkel. Balduin von Luxemburg, Erzbischof von Trier und Kurfürst, kauft den Ort St. Wendel und Umgebung auf. Kirchlich gehören wir noch zu Metz.

 

1332: Ein Sammelprivileg, verliehen durch Kaiser Ludwig IV, erlaubt es Balduin, auf St. Wendel und 29 weitere Orte das Frankfurter Stadtrecht anzuwenden; alle bisherigen Rechte werden für ungültig erklärt.

 

um 1340: Balduin veranlaßt den Umbau der bisherigen romanischen Kirche. Zunächst wird dem alten Langhaus im Osten ein Chor vorgesetzt. Dann erfolgt der Umbau des Westwerkes. Die dritte Bauphase ist die Niederlegung des alten und Erbauung des heutigen Mittelbaues.

 

1388: Die Finanzierung der Stadtbefestigung wird "Chefsache" des Trierer Kurfürsten. Er löst das Problem durch eine Getränkesteuer, das sog. Ungelt.

 

1440: Erzbischof Jacob von Trier schenkt der Kirche einen Platz, genannt "Kaff", um darauf eine Kaufhalle zu bauen (Förderung der lokalen Wirtschaft).

 

1441: Die heute noch bestehende und aktive Sebastianusbruderschaft wird gegründet. Ihr Zweck ist die Unterstützung bedürftiger Mitbürger.

 

1446: Nikolaus von Kues, Cusanus genannt, wird Kommendatarpfarrer der Pfarrei St. Wendel.

 

1455: Der Junker Johann von Oppenheim und seine Ehefrau Trine stiften das St. Wendeler Hospital.

 

1462-1464: Die Wappenmalereien werden angefertigt, sehr wahrscheinlich ein Vermächtnis des Nikolaus von Cues.

 

1461: Die Pfarrei St. Wendelin kommt in das Bistum Trier (bis heute).

 

1512: Kaiser Maximilian besucht das Grab des heiligen Wendelin und veranlaßt daraufhin, daß man in Trier den hl. Rock wieder ausstellt.

 

16. Jahrh.: Mehrere große Brände zerstören das mittelalterliche St. Wendel.

 

17. Jahrh.: Der 30-jährige Krieg läßt die Stadt äußerlich unbeschadet. Das Wirtschaftsleben kommt völlig zum Erliegen.

 

1674: Unter dem französischen Marschall Turenne wird die Stadtmauer gesprengt.

 

1677: Turennes Nachfolger, der Comte de Bussy, läßt die Stadt planmäßig niederbrennen. Besonders hart: die Bürger müssen die Ruinen bis auf die Grundmauern abreißen. Stehen bleiben nur die Pfarrkirche, das heutige Gasthaus Canape und die Magdalenenkapelle. Auch die kurfürstliche Burg zwischen Schloßstraße und Mott wird zerstört.

 

1680: St. Wendel wird französisch. Der Bischof von Metz verleibt St. Wendel seinem Bistum ein. In der Stadt setzt langsam der Wiederaufbau ein.

 

1697: Durch den Friedensvertrag von Ryswick kommt St. Wendel zurück an Kurtier.

 

1710: Als eines der ersten Häuser, die wieder aufgebaut werden, gilt das Bruch'sche Haus Ecke Fruchtmarkt und Schloßstraße. Es wird 1710 durch die italienische Kaufmannsfamilie Vacano errichtet.

 

1742: Franz Ernst von Hame, kurtrierischer Amtmann und Stadtschultheiß in Personalunion, läßt unterhalb seines Privathauses (Canape) am Stadtrand das heutige Rathaus bauen, damals Amtshaus des Amtmannes.

 

1776: Am 16. August wird der Musiker und Komponist Philipp Jakob Riotte geboren. Er stirbt 1856 in Wien.

 

1794: Der Geologe, Lehrer und Historiker Johannes Steininger wird in einem Haus am Fruchtmarkt geboren (heute "Angel's"); gest. 1874 in Trier. Lehrer von Karl Marx und Erforscher und Namensgeber der Gesteinsart "Tholeyit".

 

1793-1815: Im Zuge der Französischen Revolution geht das Trierer Erzstift unter. St. Wendel bleibt weitgehend katholisch, wird aber - wie das gesamte Gebiet auf dieser Seite des Rheins - französisch. Die Franzosen führen den Code Civil als bürgerliches Gesetzbuch und die Personenstandsregistratur ein.

 

1806: Der Pastellmaler Nikolaus Lauer (1753-1824) kehrt nach St. Wendel zurück und richtet seine Malerschule ein.

 

1815: Beim Wiener Kongreß wird dem Herzog von Sachsen-Coburg einen Landstrich mit 22.000 Seelen zugesprochen. Regierungssitz des Fürstentums Lichtenberg, der "coburgischen Colonie", wie er das Fürstentum geringschätzig nennt, wird St. Wendel (daher der Spitzname: "Coburger" für St. Wendeler). Mit den Coburgern kommen die ersten Protestanten nach St. Wendel.

 

1820: Helene Demuth ("Lenchen Demuth") wird am 30.12.1820 geboren. Sie wird Hauswirtschafterin von Karl Marx in Trier und London. Geburtshaus ist das heutige Cafe Lerner in der Balduinstraße. Gest. 1890 in London.

 

1825: Der Herzog von Sachsen-Coburg schickt seine Ehefrau Luise ins Exil nach St. Wendel (sie ist die Urururgroßmutter von Prinz Charles - ja, d e m !).

 

1829: Der Maler Nikolaus Marschall wandert in die USA aus und entwirft 1861 die erste Südstaatenflagge "Stars and Bars". Geburtshaus: heutige Gastwirt-schaft "Bogart's".

 

1832: Vier St. Wendeler besuchen das Hambacher Fest und kehren mit "spinnerten" Ideen wie "Demokratie" nach St. Wendel zurück. Die Coburger Regierungsmannschaft ist "hellauf" begeistert; es kommt zu Tumulten und fast zu Handgreiflichkeiten.

 

1834: Der Herzog von Sachsen-Coburg verkauft das Fürstentum an Preußen. Ab jetzt teilt die Stadt das politische Schicksal des restlichen Saargebietes.

 

1840er: Die evangelische Kirche wird erbaut.

 

1855: Johanna Riefer ("die Dollar-Tante") wird in Alsfassen geboren. Die Erzieherin wandert nach Paris und später Amerika aus und arbeitet als Hauswirtschafterin bei dem amerikanischen Eisenbahnbaron Huntington. Gest. 1943 in Wiesbaden.

 

1859: Die Vororte Alsfassen und Breiten - seit Jahrhunderten rechtlich eng mit St. Wendel verbunden - werden mit St. Wendel zur Stadt St. Wendel zusam-mengeschlossen und gehen "de jure" darin auf.

 

1860: St. Wendel wird an die Bahnstrecke von Saarbrücken nach Bingerbrück angeschlossen. Binnen weniger Jahre verdoppelt sich die Bevölkerungszahl. Die Bahn lockt auch die ersten jüdischen Kaufleute aus den Dörfern in die Stadt, da sich ihnen hier bessere Absatzmöglichkeiten bieten.

 

1902: In der Kelsweilerstraße wird die jüdische Synagoge errichtet und unter den Schutz der Stadt gestellt. Zerstört 1938.

 

1919: Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wird das Saargebiet unter Völkerbundsverwaltung gestellt.

 

1935: Erste Saarabstimmung. Mit überwältigender Mehrheit stimmen die Saarländer für die Rückkehr ins Deutsche Reich. Besonders tragisch: die meisten jüdischen Bürger wählen deutsch-national. Sie wollen Deutschland und bekommen Hitler.

 

1945: Das "Tausendjährige Reich" ist nach 10 Jahren für die Saar zu Ende gegangen. Am 19. März marschieren General Pattons Truppen in St. Wendel ein und besetzen die Stadt. Die Amerikaner bleiben drei Monate und geben dann die Stadt und das Land an die Franzosen ab (die Franzosen bleiben in Form einer Garnison in der Kaserne auf dem Tholeyerberg bis 1999).

 

1955: Der Saarstaat entpuppt sich als autoritäre Demokratie mit argen Defiziten unter der Fuchtel der Franzosen. Der Wahlkampf zur Zweiten Saarabstimmung wird mit viel Propaganda geführt. Am Schluß gewinnen die Nein-Sager; das Saar-Statut (mit dem Ziel eines unabhängigen Saarlandes) wird mit großer großer Mehrheit abgelehnt: das Volk will heim nach Deutschland.

 

1957: Das Saarland wird erstes neues Bundesland in der Bundesrepublik Deutschland.

 

1973/1974: Die Gebiets- und Verwaltungsreform bringt die Stadt St. Wendel auf ihre heutige Größe: 16 Einzelorte, darunter die Kernstadt St. Wendel (inkl. Alsfassen und Breiten), werden zur Stadt St. Wendel zusammen geschlossen.

 

Heute hat die Stadt St. Wendel ca. 30.000 Einwohner

(Kernstadt ca. 10.000).

 

 

 

Weitere Informationen im Buchhandel erhältlich:

 

"Ein Spaziergang durch St. Wendel"

56 Seiten, zahlreiche Fotos

Format A5

9 Euro

 

 

Roland Geiger Historische Forschung
Alsfassener Straße 17, 66606 St. Wendel
Tel. 06851-3166
email rolgeiger(at)aol.com

www.hfrg.de

 

 

 

(Aufnahme: "Das Bild", Luisenstr. 20, St. Wendel)

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