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Geschichte(n) -> 1677 St. Wendel wird eingeäschert

 

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Sicheren Schreibens

über vorgangenes Mord=brennen und er=

bärmliche Einaescherung der Stadt S. Wendel/

wie auch was sonsten in dem Ertz=Stifft Trier vor Orthen mehr

von denen Frantzosen verbrennet worden de dato

den 10. Februarii 1677.

 

Den Herrn habe unterm dato den

27. Januarii nechthin berichtet/

wie daß der Comte de Bissy sel=

bigen Tags mit der Cavallerie und Dra=

gonern von S. Wendel ab= und nacher

Cussel gezogen/ auch daß wir damalen in

Hoffnung gelebt/ es würde besagte Statt

von betrübtem Mordtbrennen nunmehr

verschonet bleiben/wie dann den 28. Jan-

uarii der Chevalier Perin mit dem Fuß=

Volck auch ab= und nachher Ottweiler

marchirr, mit Hinterlassung ideoch eines Lieutenants sambt viertzig Mann/

deme dann die Bürger alsobald eine Kuhe schlachten/ und in das Saltz le=

gen/ ein Thonn Bier und zwey Faß Saltz liefferen/und täglich dreyssig

sechs Pfund Fleisch und so viel Brot benebend so viel Maß Bier reichen

müssen. Unsere Hoffnung aber und geschoepffter weniger Trost ist bald in

Trauren/ äusserstes Weheklagen und Jammer verkehret worden/ dann

den 30. kame der Comte de Bissy, nachdem er Cussel und alle umbligende

Doerffer eingeaeschert/ mit seinen Reuteren und Dragonern zu S. Wendel

wieder an/ stelte sich vor der Statt uffm Berg in Battaille, schickte zum

Schultheissen/und als selbiger so bald parirt, und zu ihme kommen/ hat be=

sagter Comte de Bissy ihme vorgehalten/ wie daß Er Ordres erhalten/die

Statt S. Wendel gantz abzubrennen/ und ausserhalb Kirch/ Pfarrhoff/

Frauen von Soeteren/ und deß Schultheissen Hauß/ nichts stehen zulas=

sen; welcher unchristlich: ja mehr als barbarischer execution man sich umb

desto weniger versehen/weil besagte Statt in Koenigliche Frantzoesische Pro-

tection genohmen worden/ auch an Zahlung der so schwerer Contribution

niemalen saeumig erschienen/ sondern selbige biß Joannis Baptistae anticipan-

do gezahlt/ nunmehr auch nach auzgestandenen harten Einquartirungen

gantz ruinirt wahre. Es hat aber aller Seufftzen und daß umb Gottes Ge=

richt und Barmhertzigkeit willen beschehenes Anruffen keine Gnad und

Mitleiden finden wollen / sondern die unvermeidliche Koenigliche Ordres

seynd vorgeschuetzt worden/ und koendte anderst nicht seyn/ als daß alles im

Rauch aufgehen mueßte. Welches grausames und mehr als Barbarisches

Vornehmen/ einem Frantzoesischen hohen Officiren in so weit zu Hertzen ge=

stigen/ daß er als unser Feind laut bekennet/ Er wolle ein Glied von seinem

Leib darumb geben/ daß Er nimmer zu solcher Action waere gebraucht wor=

den; nichts desto weniger/ nach deme er Comte de Bissy eine gute Stund

auf gedachtem Platz gehalten / und den Chevalier de Perin mit dem Fuß=

Volck erwartet / so ist Er bey dessen Ankunft von Ottweiler mit allem

Volck in die Statt eingezogen.

 

Den 2. dieses Monats Februarii ipsa Purificationis MARIAE gienge

gedachter Bissy mit den Reuteren und Dragoneren Morgens bey anbre=

chendemm Tag nacher Toley/ woselbsten die Reuter ieder einen Sack Haber

auffassen und mitnehmen müssen/ und kahmen sie Nachmittags umb zwey

Uhr wieder in S. Wendel zurueck/worauf der Comte de Bissy nachdeme

ihme 2000. Pfund fleisch haben müssen gelieffert werden/Abends umb 6.

Uhr zu Pferd blasen/die Trummel zum marche rühren/und alle Reuter/

Mann Fuß=Volck/die ein Engeländer commandiret/welcher als ein exe-

cutor deß erschröcklichen und grausumen Mordtbrandts/so bald die Ordres

dahin gegeben/daß alle Weiber und Kinder in die Kirchen sich verfügen

solten/welches auch mit zum Himmel schreyenden Weheklagen und Seuff=

tzen geschen/und ist nach diesem besagter Engeländer mit seinen Solda=

ten in das Schloss eingezogen/alwo er die Austheilung unter seinen Sol=

daten gemacht/daß ein iedes datachement gewüßt wo es Feuer einwerfen

solle/umb zehen Uhr des Nachts wurde die Trummel gerühret/ und kamen

darauff die Soldaten in der finsteren Nacht/wie die Teuffel und Höllische Furien/über die Schloß=Brücken gelauffen/ein ieder etliche Ströhe=Fa-

cheln unter den Armen/ und ein brennende in der Hand haltent/womit sie/

ein ieder an seinem assignirten Orth/ also in allen Ecken der Statt Feuer

einwürffen/daß bald darauff die gantze Statt in heller Flamme gestanden.

 

Wie grausam nun und erschröcklich solche Feuers-Brunst gewesen/

kan ich nicht gnugsamb beschreiben/und wehrete solches grausames Spectal-

cul biß gegen Morgens drey Uhr/da dann nach vorgangenem Trummel=

Schlag alle solche Mord=Brenner sich wieder versamblet/und umb 4 Uhr

durch die bresche aus der Statt gangen/die kleine Kellnerey=Mühle ver=

brandt/und so fort ihren Wegen auf Ottweiler genommen haben. Es ist

aber der Barbarische Feind damit nicht vergnüget gewesen/sondern hat

den 5. dieses Monbrun wieder nach S. Wendel commandirt, alles

was noch gestanden/ausserhalb obgemelten Häuseren/gäntzlich einzuäsche=

ren/welcher dann überall/wie auch in dem Schloß Feuer einwerfen las=/

und befohlen bey Straff der Plünderung/Mordt/ und Violirung/alles was stehen blieben/innerhalb zweymal zwantzig vier Stunden abzubre=

chen/also was der Feind nicht gethan/haben die arme Burger/aus Forcht daß der unbarmhertzige Feind die angetrohete Straff auch exequiren möchte/daß wenige so der Brandt nicht gäntzlich eingeäschert/selber umb=

reissen und der Erden gleich machen müssen. Stehen also die arme Bur=

ger in augenscheinlicher Gefahr/daß irgend eine Visitation vorgenommen/

und Ursach zu gänztlicher Vertilgung gesucht werden möchte. Der Al=

lerhöchste wolle helffen/und der Feinde ihrem Wüten stöhren; Kein Her=

tzen=Leyd und Elend ist mehr so erhört worden/dann in solchem Mord=

Brand/ nicht allein die Statt S. Wendel/sondern auch das gantze Ambt

sambt denen grossen schönen und Volckreichen Flecken und Dörffern/

Mettloch/Beßringen/Mertzig/Brodtdorff/Bacheim/Rimlingen/Brit=

ten/Bergen/Schweyden/Waldholtzbach Loßheim/Niederloßheim/Wah=

len/Neunkirchen/Risenthall Oppen/Düppenweiler/Haßborn/und ande=

ren Orthen eingeäschert worden/daß also das gantze Land hieherumb in vollem Rauch und Feuer darnider ligt/Jammer und Weheklagen ist un=

ter den Eltern und Kinderen/welche bey dieser rauer Winter=Zeit so viel

nicht haben/wo sie sich hinverbergen/die Nachts=Ruhe im truckenen su=

chen/ und der Kälte siche erwehren können/besser wäre den armen Leuthen

der Todt selbsten/als solches bitteres Leben/indeme unter ihnen kein Brod/kein Körnlein Frucht/kein Vieh/kein Geld/kein Hauß/kein Credit mehr übrig. Was nun der Feind ferner vornehmen/ und wohin seine Barbari=

sche Intention weiters gerichtet seye/wird bald kundt werden.

 

Ein anders aus Mertzig.

Nachdeme nun S. Wendel eingeäschert war/ so haben die Frantzo=

sen in dem Schloß Dillingen/ nicht nachgelassen/den Flecken Mertzig an

der

der Saar/die schwere und unmögliche Bürden/ als mit 15000. rationen

Heu und Haber/benebend Viertzig Kühen/ zu exequiren und gewalttäti=

ger Weiß zu forderen/mit Betrauung/Plünderung/Verbrennen/und

allem Ubel/auff solche grosse Betrauungen haben sich die arme Untertha=

nen/in elendem und sehr betrübtem Regen=Wetter und grossem Wasser/

dermassen beflissen/daß alles ihr begehren/in wenig zweyen Tagen/bezahlt/

und content worden/als nun alles bezalt gewesen/hat man von dem Hauptmannn Simon commendant zu Dillingen/Quittung begehrt/wel=

cher zur Antwort geben/man bedürffte keiner Quittung/alles werde quit-

tirt werden/auf welche Liefferung so ihrem begehren nach entrichtet/(wor

über bey nahe die Menschen und Viehe zu schanden worden) so hat sich al-

sobald den 6. Februarii der Haubtmann und Commensdant Simon von Dillingen mit 50. Mnn zu Pferdt und 40. zu Fuß nacher Mertzig ver=

fügt/und von dannen nacher Metloch. Wie selbiger mit seinem comman=

dirten Leuthen wiederumb nacher Mertzig kommen/ so seynd Mann und

Weib ihme mit grossen Weheklagen/und weinenden Augen entgegen gan=

gen/er wolle doch den Flecken Mertzig/welcher nunmehr dem König sechs

Jahr lang also schwerlich contribuirt und alles nach Begehren Königlicher

Ordres bezahlt/mit dem brennen verschonen/worauff gemelter Commen-

dant zur Antwort geben/ da solle ihnen Gott vorbehüten/daß er solchen

Flecken verbrennen solle; aber seine Wort und gute Vertröstung haben

sich bald verkehret/zu unserem grossem und erbärmlichen Weheklagen/

dann alsobald sie Metloch und Beßringen eingeäschert hatten/seynd sie

gleich nacher Mertzig kommen/umb 3. Uhren Nachmittag/doch ohne einig=

ge advertirung, also bald den Flecken eben in der mitten/und unden wo der

Wind am meisten schwäbich gewesen/angezünd/also daß bey 126. Häu=

ser/ohne Scheur und Stallung/innerhalb zwey Stunden in den Grund

und Bodem verbrand wahren/benebend dem Hospital und dessen Klocken/

welche verschmolzen. Ein solches Weheklagen/und Mord=brennung ist

nicht genugsam zubeschreiben/ Gott der Allerhöchste wolle sich der armen

Unterthanen erbarmen/und ferneres Mord=bren=

nen gnädiglich abwenden.

 

(das Original liegt im Stadtarchiv Trier unter der Signatur T-8-71)

 

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