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Krieg am Boden -> Bücher zum Krieg

John Dos Passos

Das Land des Fragebogens.

1945: Reportagen aus dem besiegten Deutschland.

(für das US-Magazin Life aus Frankfurt am Main, einem Dorf in der hessischen Provinz, vom Kriegsverbrecherprozeß in Nürnberg und aus Wien)

 

Der Schriftsteller John Dos Passos bereiste im Auftrag des „Life Magazine" im Jahre 1945 verschiedene Städte in Deutschland sowie Wien. Seine tagebuchartigen Aufzeichnungen, eher journalistische Arbeiten als literarische, erschienen seinerzeit nur in den USA und erst Jahrzehnte später hierzulande. Dos Passos kommt zuerst in das zerstörte Frankfurt am Main, sieht die „imposanten Ruinen" und beobachtet die Schwierigkeiten, heimatlose Menschen irgendwo einzuquartieren. Von dort aus in ein Dorf in der hessischen Provinz, als Beobachter zum großen Kriegsverbrecherprozeß nach Nürnberg, dann in die Hauptstadt Österreichs. Der Beobachter verkehrt in Soldatenkreisen, profitiert von den funktionierenden militärischen Nachschubwegen, durch die die Amerikaner mit allem versorgt werden, und sieht als Gegensatz das Elend der Besiegten. Er registriert die Schwachstellen der Entnazifizierungspolitik der Alliierten, merkt, wo der Fragebogen, den die Deutschen auszufüllen haben, als Bewertungsgrundlage nicht funktioniert und wo er wissentlich von den Besatzern selbst unterlaufen wird. Er sieht, wie sich Argwohn und Mißgunst breitmach en. John Dos Passos diskutiert mit vielen Personen darüber, welche Zukunft das besiegte Land überhaupt haben kann. „Das Land des Fragebogens" liefert in einer kraftvollen Sprache genaue Beobachtungen aus dem Deutschland der Nachkriegszeit.

 

Verlag: Neue Kritik (1997), 140 Seiten, ISBN-13: 978-3801503130

 

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Osmar White

Die Straße des Siegers: Eine Reportage aus Deutschland 1945

(Conquerors’ Road = Die Straße der Eroberer)

 

"Embedded Journalism" ist keine Erfindung unserer Tage. Auch im Zweiten Weltkrieg wurden die Truppen bereits von Kriegsberichterstattern begleitet. Und manche der dabei entstandenen Aufzeichnungen sind literarisch ebenso wie als Dokument der Zeitgeschichte von außerordentlichem Wert. Dies gilt in ganz besonderem Maße für die Reportagen des 1991 verstorbenen australischen Reporters Osmar White, der sich im Februar 1945 der 12. Heeresgruppe der Vereinigten Staaten anschloss, die Deutschland vom Westen her befreien sollte.

Die Straße des Siegers handele zwar von der Eroberung und Besetzung Nazi-Deutschlands durch die West-Alliierten 1945, schreibt der Autor in seiner Vorbemerkung, es erhebe aber nicht den Anspruch, eine Kriegsgeschichte im herkömmlichen Sinn des Wortes zu bieten. Es sei vielmehr "nur eine Zusammenstellung persönlicher Beobachtungen und Reflexionen eines Mannes, der das Privileg hatte, historische Ereignisse mitzuerleben, statt sie aus dokumentarischen und anderen Quellen später rekonstruieren zu müssen". Deshalb beruhe das Buch nicht auf Erinnerungen, sondern allein "auf Fakten und Eindrücken, die zu der Zeit schriftlich festgehalten wurden, als sie sich ereigneten". Herausgekommen ist ein fulminantes Buch über den Krieg und über den Menschen, wie man es nur selten findet: "Eine Chronik in Echtzeit, geschrieben vom lizenzierten Beobachter eines großen Triumphes und einer großen Niederlage"

Weshalb diese glänzende Reportage, die für die Veröffentlichung lediglich geringfügig überarbeitet und um ein Schlusskapitel ergänzt wurde, nicht bereits 1946 erschienen ist, wie eigentlich vorgesehen, ist bis heute nicht völlig geklärt. Über die Gründe zu spekulieren, weshalb Whites britische und amerikanische Verleger es damals überraschend nicht in Druck gaben, ist aber im Grunde auch müßig. Seien wir froh, dass wir es heute lesen dürfen. Und um es ganz deutlich zu sagen: Man muss es lesen! Dank der schriftstellerischen Begabung des Autors (und der Übersetzung von Ursel Schäfer!) -- fällt einem dies aber auch nicht sonderlich schwer. Schon nach wenigen Sätzen vermag man es kann mehr aus der Hand zu legen. -- Andreas Vierecke

 

Verlag: Piper; Auflage: 1 (März 2005), Taschenbuch, ISBN 978-349204711

 

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Saul K. Padover

Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45.

 

Als amerikanische Truppen im Herbst 1944 nach Deutschland vorstießen, folgte ihnen ein junger Offizier der Abteilung für psychologische Kriegsführung. Wie ein Ethnologe, "der in das Gebiet eines unbekannten Stammes eindringt", wollte Saul K. Padover erforschen, was in den Köpfen der Besiegten vorging.

Die Deutschen, denen er in den Flüchtlingslagern und besetzten Städten begegnete, waren noch nicht dem kollektiven Vergessen anheimgefallen. Ihre Antworten kamen ungefiltert, und ihre Lügen waren leicht durchschaubar. Hitler hatte eine breite Anhängerschaft quer durch alle Schichten der Bevölkerung, und auch wer kein überzeugter Nazi war, dachte zumeist deutsch-national. Und eines ist ganz offensichtlich: das Wissen um die Verbrechen des Regimes war weiter verbreitet, als dies später gerne behauptet wurde. Warum sonst fürchteten sich viele vor einem Aufstand der Zwangsarbeiter und der Vergeltung der Sieger?

Lügendetektor offenbart die Seelenlage einer besiegten Nation: Selbstmitleid und kollektive Depression, Haß und unbelehrbare Arroganz, hartherzig und von einem vagen Schuldgefühl. Und derart autoritätshörig und dokumentengläubig, daß sich Padovers Kameraden zunächst amüsiert zeigten über diese "leidenschaftlichen Sammler von Papieren, zumal von amtlich beglaubigten, mit Unterschrift und Stempel versehenen Papieren", bis ihnen klarwurde, daß dies das Verhalten von Sklaven war, die Bürokraten anbeteten. Ausweise waren etwas Heiliges, Menschen nicht. "Erst sehr viel später", schreibt Padover, "als ich in Buchenwald in einer Ecke die Leichenberge und in einer anderen die sorgfältig aufbewahrten Papiere der Ermordeten sah, wurde mir eine Eigentümlichkeit der Deutschen bewußt: es machte ihnen nichts aus, Menschen zu verbrennen, aber Dokumente wurden niemals verbrannt."

Padovers Buch, 1946 erstmals erschienen, hat in seiner schonungslosen Offenheit auch nach einem halben Jahrhundert nichts an Brisanz verloren.--Stephan Fingerle

 

 

Verlag: Eichborn (1. Januar 1999), Gebundene Ausgabe: 336 Seiten,

ISBN-13: 978-3821844787

 

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