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Die Meister des Feuers

eine kleine Geschichte der St. Wendeler Feuerwehr vor 1884

 

Hand aufs Herz! Wissen Sie, was zu tun ist, wenn's brennt?

Die Feuerwehr rufen… - Gute Antwort.

Aber bis dahin? Zuschauen, wie's weiterbrennt?

Oder etwas tun.

 

Ja, aber was?

 

Unsere Altvorderen waren da praktischer veranlagt. Und das mußten sie auch, denn eine Feuerwehr in dem Sinn, wie wir sie heute kennen (ob Freiwillige oder Berufsfeuerwehr), gab es nicht. Da war jederman selbst verantwortlich – für sich selbst, aber auch für die Gemeinschaft.

 

Und wie das funktionierte, sehen wir aus einem Bericht eines Bürgermeisters von St. Wendel an seinen Vorgesetzten, den Regierungsrat Engelmann, vom 9ten März 1836:

 

"Dienstag am Abend des 8ten dieses Monats brach ohngefähr 1/4 nach 9 Uhr in den Stallungen des Metzgers Blaumaier im Graben Feuer aus. In einem Augenblick schlugen die Flammen über das Gebäude, in dessen oberer Raum eine bedeutende Masse Heu lagerte, zusammen und gewährten einen Schrecken erregenden Anblick. Durch das Läuten der Glocke eilte rasch von allen Seiten Hilfe herbei. Die Wasserreicher ordneten sich, und binnen kurzem gelang es dank der unermüdeten Thätigkeit der Rettenden, Meister des Feuers zu werden, was bei einem wenigerigen Eifer sehr gefährlich für den unteren Theil der Stadt hätte werden können. Wer heute die Brandstätte sieht, sollte kaum glauben, daß es möglich war, dem gewaltigen Elemente, welches bereits mit ganzer Kraft wüthete, so hemmend entgegen treten zu können, als es hier geschah.

 

Indem ich Euer Hochwohlgeboren hiervon die gehorsamste Anzeige mache, erwähne ich die Personen, die sich bei dem Feuer auszeichneten:

1. Herr Friedensrichter Knauer gab durch ununterbrochene thätige Hilfe an dem brennenden Gebäude ein schönes Beispiel zur Aufmunterung.

2. die Zimmerleute Nicolaus Thome und dessen Gehilfe Georg Leist; Zimmermann Georg Steinbach; Zimmermann Mathias Werle

3. Nicolaus Riefer und Peter Volz und Nicolaus Jundong arbeiteten unermüdet mit den Feuerhacken und trugen besonders dazu bei, daß das Feuer von den anhängenden Stallungen abgehalten wurde.

4. leistete die Feuerspritze durch die vorzügliche Leistung der Spritzenmeister Anton Weisgerber und Nicolas Back sowie Blechschmied Christian Näher ausgezeichnete Dienste.

5. versahen die Geometer Schmoll und Johann Andreas Psotta und Friedrich Neuberger, welche sich im Todtbach postiert hatten, die Wasserreicher während des ganzen Brandes mit Wasser.

6. leisteten mehrere Damen als: die Frau des Herrn Steuereinnehmer Massing, Catharina Knoll, Anna Maria Jochem und die Philippina Feickert in dem Wasserreichen von Beginn bis Ende und zwar die drei erstern ganz in der Nähe des Feuers thätige Hilfe, weshalb auch diese, um so mehr lobend erwähnt werden müssen, als ihre Hilfe ein Sporn für andere Individuen weiblichen Geschlechts der niedern Classe war, und

7. endlich unterhielten die Gebrüder Rath Carl Cetto und Stadtrath Nicola Cetto durch freundliches Zureden einen regen Eifer in den Wasserreichen und namentlich letzterer, der überdies eine Masse Gefässe an die Brandstätte bringen ließ, wodurch nach der Dämpfung des Feuers solche zur Bequemlichkeit der zurückgebliebenen Wache immer damit versehen war.

 

Die Ursache des Feuers ist bis jetzt unbekannt. So wie ich in meiner Untersuchung näheren Aufschluß erhalte, werde ich sogleich hiervon die Anzeige machen."

 

In diesem klassischen Fall einer Fährnisgemeinschaft wußte jeder, wo sein Platz war, und jeder packte an. Drücken ging nicht; wer wußte schon, wo es beim nächsten Mal brennen würde. Die einen bildeten eine lange Eimerkette vom Todtbach bis zum Brandherd. Den Stall gibt es in dieser Form heute nicht mehr – es handelt sich um die hintere Partie des Hauses Grabenstraße 2. Von dort bis zum Todtbach sind es gut 150 Meter Luftlinie; bedenkt man die Ecken und Kurven, die man schlagen muß, dann war die Eimerkette locker doppelt oder dreimal so lang. Auch kann man sich vorstellen, daß es bestimmt nicht angenehm war, morgens um neun Uhr im kalten Wasser des Todtbachs zu stehen und zwar ein paar Stunden lang und dann auch noch Anfang März (und der Herr Psotta war damals auch schon 58).

 

Wichtigtes Utensil neben den Wassereimern und Feuerhacken war aber sicherlich die Feuerspritze. Sie wurde von drei Fachleuten bedient: Anton Weisgerber war Waffenschmied, Nikolaus Back Schlosser und Christian Näher ein Blechschmied. Er kommt auch als Konstrukteur der Feuerspritze in Frage; denn er wird vier Jahre später im Auftrage der Gemeinde Wolfersweiler eine solche anfertigen und für 325 Thaler dafür verlangen – ob er das Geld je erhalten hat, ist zumindest unsicher, denn am 10. September 1840 überträgt er diese Forderung an Wolfersweiler an Elisabetha Rauber aus Oberthal, Witwe des Kaufmanns Anton Kirsch aus St. Wendel. Auch damals schon schienen die Gemeinden nur ein knappes Etat für ihren Brandschutz übrig zu haben.

 

Sie wissen, wie eine solche Spritze funktioniert? Hebel rauf, Hebel runter, dann spritzt vorn das Wasser aus dem Schlauch. Ja, aber wie kommt das Wasser überhaupt in die Maschine? Nun, durch die gleiche Hebelbewegung wird zunächst einmal Wasser angesaugt – aus dem nächsten Reservoir, in diesem Falle vermutlich dem Todtbach. Die Strecke ist genausolang wie bei den Wasserreichern und muß überbrückt werden. D.h. die drei an der Spritze pumpen erstmal eine Zeitlang, bis der erste Wassertropfen oben aus der Spritze wieder herauskommt. Das geht sicher gut in die Arme. Aber jetzt ist nicht Ausruhen angesagt, sondern Weiterpumpen, damit der Druck aufrechterhalten und das Feuer gelöscht wird.

 

Moment mal – haben Sie auch bemerkt, daß das eigentlich keinen rechten Sinn macht? Denn: wie effektiv ist ein Wassereimer bei einem Hausbrand? Um effektiv arbeiten zu können, muß man nahe an das Feuer heran, genau zielen und mit dem Wasser aus dem Eimer auch genau treffen. Dann geht’s zurück, den nächsten Eimer holen – und das ganze beginnt von vorne. Aber erreichen tut man nur das Feuer im vorderen Bereich; das muß erst gelöscht werden, bevor man in den mittleren und hinteren Bereich kommt. Eine Feuerspritze dagegen ist viel wirkungsvoller. Je nach Wasserdruck und Rohranstellungswinkel schießt das Wasser in die Höhe, schlägt einen Bogen und landet   g l e i c h   in Bereichen, wo man mit dem Eimer gar nicht oder erst später hinkommt (und dann mag es zu spät sein). Dazu kommt der stetige Wasserstrom, es gibt keine Pausen, in denen das Feuer "Luft" holen kann. Durch Zielen und Lenken können bestimmte betroffene oder noch nicht betroffene Bereiche angesteuert werden. Und das aus einer relativ sicheren Entfernung.

 

Aber dazu muß ein konstanter Wasserdruck vorhanden sein. Und diesen Nachschub an Wasser, der bringen nicht irgendwelche Schläuche, die hinunter zum Bach führen, sondern den bewerkstelligt die Eimerkette. D.h. die Wasserreicher bekämpfen nicht unmittelbar das Feuer, sondern liefern "nur" Wasser für die Spritze. Die Eimer werden in einen Bottich oder Tank an oder unter der Spritze entleert, von dort angesaugt, durch den Schlauch gejagt und rausgespritzt.

 

In St. Wendel habe ich das noch nicht gefunden, aber mein Freund Johannes Naumann aus Thalexweiler hat mir von der dortigen Tradition des Hochzeitseimers erzählt. Jedes junge Paar erhielt einen solchen Ledereimer, damit es sich im Brandfalle aktiv beteiligen konnte.

 

Brandschutz, also das Abwehren und auch Verhindern von Schadensfeuern, war in unseren mittelalterlichen und neuzeitlichen Städten immer schon eins der Top-Themen gewesen. Das Hauptlöschmittel war immer Wasser gewesen und das Hauptproblem, dieses Wasser zu besorgen und zum Brandherd zu bringen. Hier in St. Wendel wurde das Transportproblem wie auch anderswo mit Ledereimern behoben. Im Jahre 1586 standen davon etwa 44 zur Verfügung. Mit Fett wurden sie wasserdicht gemacht und durch öffentliche Gelder unterhalten. Schwer war es nur, an das Wasser heranzukommen. In St. Wendel gab es drei Bäche, die die Stadt von drei Richtungen eingrenzten: der Todtbach im Norden, die Blies im Osten und der Bosenbach im Süden. Sie hätten Wasser in ausreichender Menge liefern können, wenn man Zugang zu ihnen gehabt hätte. Aber seit 1388 gab es eine Stadtmauer, die die ganze Stadt umgab und – außer an wenigen Stellen – einen Zugang zu den Bächen unmöglich machten. Abhilfe geschaffen wurde durch Tiefbrunnen und Zisternen, und zu den Ledereimern kamen Brunnenseile hinzu, mit denen das Wasser aus der Tiefe gehoben werden konnte und die dementsprechend überall vorhanden sein mußten. Im Jahre 1605 finden wir eine Liste mit Strafen für diejenigen, "so kein Bronnenseil gehabt". Ein paar Jahre später – am 4. August 1608 - wird das sog. "Gassenwasser" besichtigt und alle Leute bestraft, die "die vor ihren häusern Kein wasser gehabt". Dabei handelt es sich wohl um einen Wasservorrat, den jeder Bürger der Stadt vor seinem Haus für den Fall eines Brandes bereit halten mußte (liest sich ein bißchen wie der alte Witz, daß drei Tage vor jedem Brand die Wassereimer gefüllt sein müssen). Das Problem liegt wieder darin, dieses Wasser zu beschaffen. 1618 erfahren wir, wo die mittlerweile 83 ledernen Eimer aufbewahrt werden: Sie hängen an einem Seil unter dem Rathaus. Damit ist der Vorgängerbau des heutigen alten Rathauses aus dem Jahre 1440 gemeint, der etwa an gleicher Stelle stand und ursprünglich als Markthalle angelegt worden war.

 

Im Jahre 1659 sind zu dem Brunnenseil noch eine Laterne und eine Leiter hinzugekommen, die jeder Bürger bereithalten muß. Die Einhaltung der Vorschriften werden jährlich streng kontrolliert, jedes Haus in der Stadt wird von der Obrigkeit "visitiert", und es gibt strenge Geldstrafen, wenn die Vorschriften nicht vollständig eingehalten werden.

 

Im Februar 1677 wird das alles Makulatur, als die französische Truppen die Stadt besetzen und systematisch in Brand setzen. Jetzt darf nicht gelöscht werden. Aber die Zeiten beruhigen sich wieder, jedenfalls ein bißchen, und im Jahre 1723 ist wieder von Feuerhacken die Rede. Und in der Gemeinderechnung werden zum ersten Mal Feuerspritzen genannt: "Item 4 Waßer Spritzen". Dafür werden 9 Gulden bezahlt. Ob das viel ist oder nicht, das können wir nicht ermessen, weil wir nicht wissen, was man für neun Gulden damals alles kriegen konnte. Daher wissen wir auch nicht, ob die Spritzen groß waren oder klein oder ob sie effizient waren oder nur eine technische Spielerei.

 

1756 ergeht eine Anweisung an den Nachtwächter, daß er im Falle er abends nach 23 Uhr (im Sommer schon ab 21 Uhr) Licht in den Häusern sieht, nachschauen soll, wo das Licht herrührt. Auch wird das Betreten der Scheunen und Ställe mit brennenden Tabakspfeifen verboten. Statt dessen müssen spezielle Stallaternen angeschafft werden. Man sieht, daß sich die Stadtverwaltung der vielfältigen Gefahren bewußt war. 1770 wird das Rauchen auf offener Straße oder in Ställen und Scheunen innerhalb der Stadt gänzlich verboten – wegen der Feuergefahr. Vor jedem Hause ist ein Gefäß mit Wasser aufzustellen. Trotzdem scheinen die großen Feuersbrünste seltener geworden zu sein, denn es wird darauf hingewiesen, daß viele Ledereimer und anderes Geschirr, das zur Feuerabwehr verwendet wird, seit Jahren "in abgang geraten" ist und erneuert werden soll.

 

1786 beschließt der Stadtrat, zur Anlegung eines neuen Kirchhofes, zum Ausbessern der Stadtmauer und zur Beschaffung einer Feuerspritze eine Anleihe von 1000 Gulden aufzunehmen. Gleichzeitig beschließt der Rat, daß die Stadt sich dem neuen Kurtrierischen Brandversicherungsinstitut anschließen solle. Die städtischen Häuser werden aufgelistet und bewertet. Hat jemand noch ein Strohdach auf seinem Haus oder Einrichtungen darin, die eine Gefahrerhöhung darstellen (z.B. eine Schmiede), muß er bei gleicher Entschädigungssumme bis zu 25 Prozent mehr Prämie bezahlen. Lt. Max Müller wurde 1791 eine weitere, aber kleinere Feuerspritze erworben.

 

"Von jetzt ab erscheinen in den Jahresrechnungen kleine Ausgaben für das Proben der Feuerspritzen. Die Geräte wurden unter dem [alten] Rathause aufbewahrt. Die Eimer, die von den jungen Hochzeitspaaren beschafft werden mußten, hingen der Nummer nach geordnet in langen Stangen oder Stricken, mittels derer sie auch von zwei Leuten zur Brandstelle gebracht wurden. Um sie wasserdicht zu halten, mußten sie von Zeit zu Zeit mit Unschlitt geschmiert und mit Pech in den Nähten ausgerieben werden.

 

Auch im neuen Rathause wurde ein Spritzenhäuschen im Erdgeschosse eingerichtet. Da im Anfange des 19. Jahrhunderts die Bauart der beiden Spritzen veraltet war, kaufte die Stadt im Jahre 1818 eine neue Spritze zu Zweibrücken."

 

Hier liegt Max Müller nicht nur zeitlich etwas daneben. Am 31. Dezember 1817 stellte der St. Wendeler Stadtrat bei der Coburger Landeskommission den Antrag auf Anschaffung einer Feuerspritze, die aus Geldern des Kantons St. Wendel finanziert werden sollte. Gleichzeitig fragte man an, ob es möglich sei, auf der Südseite der Kirche und zwar rechts neben dem Südeingang in die Nische zwischen diesem und der nächsten Pfeilervorlage ein kleines Häuschen aufbauen zu dürfen, in dem die beiden Feuerspritzen und die Ledereimer untergebracht werden könnten. Der Ort wurde deshalb vorgeschlagen, weil auf der Südseite der Kirche die Straße breit genug war, um mit den Spritzen im Bedarfsfalle gut rangieren zu können. Die Spritze wurde in Saarbrücken in Auftrag gegeben und soll genau 900 Gulden kosten; der Konstrukteur, dessen Namen wir leider nicht kennen, legte eine Zeichnung vor, die von den Beteiligten gern akzeptiert wurde. Auch sie ist leider verlorengegangen.

 

Man kann sich vorstellen, daß die Pfarrei von dem Vorschlag mit dem Häuschen gegen die Kirchenwand nicht begeistert war und ihn rundweg ablehnte. Man begab sich also auf die Suche nach einer Alternative und fand diese im Bereich des heutigen Hospitals.

 

"War so die Gerätefrage einigermaßen gelöst, so haperte es um so mehr mit dem Mannschaftsbestande. Nach einer alten Verordnung hatte jeder erwachsene Einwohner bei Bränden Hilfe zu leisten, aber es fehlte an der Schulung. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, legte die Regierung im Jahre 1827 der Stadtbehörde eine Feuerlöschordnung der Residenzstadt Coburg vor und empfahl deren Annahme auch für die Stadt St. Wendel. Allein der Stadtrat lehnte sie in seiner Sitzung vom 16. Oktober ab. Da auf den Brandstätten bei dem ungeschulten Personale die größte Unordnung herrschte, schritt schließlich der Stadtrat am 18. November 1831 zum Erlasse einer neuen Feuerlöschordnung, die bis zum Jahre 1847 in Kraft blieb. Dann fand eine Ueberprüfung der Ordnung statt, die in wesentlichen Punkten ergänzt und berichtigt wurde.

 

 

 

 

Auszug aus dem Preußischen Urkataster, Flur 6, von St. Wendel aus dem Jahre 1843. Das große Gebäude rechts war das 1818 errichtete neue Hospitalsgebäude, der Platz davor liegt heute zwischen dem alten Knabenhaus (Musikschule) und dem sog. "Roten Haus". Etwas unterhalb der Mitte des Bildes hat der Zeichner das Wort "Bürgerschaft" durchgestrichen und durch "Gemeinde" und darunter "Spritzenhaus" ersetzt. Damit war das damalige Spritzenhaus das östliche Ende des heutigen Roten Hauses.

 

Die beiden alten, noch aus der kurtrierischen Zeit herrührenden Spritzen waren im Laufe der Jahre unbrauchbar geworden. Die Stadt erwarb deshalb im Jahre 1852 eine von dem Büchsenmacher Anton Weißgerber erbaute große Spritze für 345 Taler."

 

Diesen Herrn Weißgerber (mit einem oder wahlweise mit zwei "s") kennen wir schon von dem Brand auf Seite 1 her.

 

"Gleichzeitig schenkte die Aachen-Münchener-Feuerversicherungs-Gesellschaft eine kleine Spritze. Da das Hospital die Stelle, wo das Spritzenhaus stand, zu einem Neubau brauchte, errichtete die Stadt im Jahre 1853 ein neues Häuschen in der Hintergasse, in dem man die sämtlichen Geräte unterbrachte. Nach der Erwerbung des Amthauses aber wurden der Stall und die Scheuer seiner alten Kutscherwohnung (…) als Geräteschuppen umgebaut."

 

Auf dem Urhandriß von 1843 ist auch die alte Kutscherwohnung unterhalb des neuen Rathauses abgebildet (vor 1818 war hier das St. Wendeler Gefängnis). Aufgrund seiner späteren Nutzung wurde handschriftlich das Wort "Spritzenhaus" eingefügt.

 

"Eine Umbildung der ganzen Löschhilfe erfolgte im Jahre 1865. Der Bürgermeister Rechlin ließ eine Neueinteilung der Löschrotten vornehmen. Das bei dieser Gelegenheit aufgenommene Inventar zeigte wenig erfreuliche Dinge. Es waren zwei schwerfällige Spritzen, eine kaum handliche Anstelleiter, eine Anzahl Haken und Eimer vorhanden, das war alles. Trotzdem ist es jahrzehntelang bei diesem Zustande geblieben."

 

Unser guter Max Müller erlaubt sich, hierbei eine Spritze sowie das gesamte Personal zu unterschlagen. Tatsächlich gab es drei Spritzen: die große, auch "Cantons"-Spritze genannt, die von 20 Männern bedient wurden (plus 12 als Schlauchpersonal); eine zweite, "mittlere" Spritze genannt (21 an der Pumpe + 12 am Schlauch), sowie eine kleine Spritze (12 an der Pumpe + 12 am Schlauch). Leitern, Hacken und Gabeln wurden von 38 Männern bedient. Dazu kamen zwei Rettungsmannschaften zu je 26 und 38 Männern und Wachmannschaften (29 Mann).

 

" Als im Jahre 1878 das alte häßliche Gebäude, das bisher als Spritzenhaus gedient hatte, niedergelegt werden mußte, da baute die Stadt an der Stelle des ehemaligen Arresthauses ein neues Spritzenhaus."

 

 

 

Auf diesem Situationsplan des früheren Progymnasiums resp. Arresthauses aus dem Jahre 1878 hat der Geometer Wenneis auch das neue Spritzenhaus in der heutigen Marienstraße (damals noch Schneidergasse, später – bis 1939 – Hospitalstraße) eingetragen. Heute steht dort ein Transformatorenhaus.

 

Von den alten Spritzen aus der Zeit vor der Einrichtung der Freiwilligen Feuerwehr St. Wendel ist keine erhalten geblieben. Sie wurden anderweitig verkauft, für Ersatzteile zerlegt oder fielen im Laufe der Zeit einfach auseinander.

 

Die alte Feuerspritze, die heute im Feuerwehrgerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr St. Wendel zu bewundern ist, hat nie in der Stadt St. Wendel Dienst getan. Sie stammt aus Werschweiler. Dort wurde sie im Jahre 1935 gebraucht als Ersatz für eine noch ältere Spritze angekauft. Als sich Werschweiler 1957 zur Anschaftung einer Tragkraftpumpe mit zugehörigem Anhänger zur Unterbringung aller Utensilien entschied, ging sie in den Ruhestand. Aus reinem Platzmangel wurde sie 1959 an die Freiwillige Feuerwehr St. Wendel gegen zwei neue B-Druckschläuche eingetauscht. Dort steht sie heute als Museumsstück.

 

Quellen:

Landesarchiv Saarbrücken, Notar Hen Nr. 526 vom 10.09.1840

Katasteramt St. Wendel, Archiv, Urhandriss von St. Wendel

Stadtarchiv St. Wendel, diverse Akten der Bestände A, B und C

Max Müller, Geschichte der Stadt St. Wendel

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