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Steininger

 

Die Familie Steininger ist erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach St. Wendel gekommen.

 

Der erste dieses Namens, welcher in hiesige Stadt kam, war Johann Friedrich Steininger, Sohn des Schreinermeisters Johann Steininger und dessen Ehefrau Anna Gertrudis Kühlmännin - diese war Tochter des Schreinermeisters Friedrich Kühlmann.

 

Johann Friedrich Steininger war am 7. Februar 1677 zu Limburg an der Lahn geboren, er erlernte ebenfalls das Schreinerhandwerk, verließ dann seine Vaterstadt, heirathete am 28. April 1705 zu Saarburg (?) die Anna Maria Ludin, Tochter des hochgräfl. Leiningen'schen Jägers Ludi. Die Heirath wurde vollzogen durch den evangelischen Pfarrer Zacharias Leopold. Im Jahre 1701 hatte Steininger zu Zweibrücken Schwedische Kriegsdienste in einer Compagnie zu Fuß. In der Compagnie des Hauptmanns Johann de Pyhl diente er hier 21 Monate als Musketier und 42 Monate als Gefreiter. Später diente Steiniger vom Jahre 1712 bis 1718 72 Monate lang als "Feldtwaibel" in dem Baron von Strahenheim'schen Regimente unter dem Schwedischen Obristen Johann Christian von Schultz, welcher ihm am 31. März 1718 seinen Abschied ertheilte. Wann er sich in St. Wendel niedergelassen hat, kann ich mit Bestimmtheit nicht angeben. Seine Witwe starb hier am 15. April 1757 bei ihrem Sohn Johannes.

 

Johann Friedrichs Söhne waren Friedrich und Johann Steininger, letzterer Schreiner, welche ich in einer Bürgerliste von 1748 finde. Aus dieser Familie gingen zwei in den Wissenschaften ausgezeichnete und in weitern Kreise bekannte Männer hervor, die Brüder Richard Maria und Johannes Steininger.

 

Ihr Vater Nicolaus Steininger, Johannes Sohn, verließ das elterliche Haus frühe, indem er sich mit einer umherziehenden Künstlergesellschaft anschloß, welche er aber bald verließ, um in Militärdienste zu treten. In der Folge wurde er in dem Militär Lazarethe als Chirurgen Gehilfe verwendet, und in diesem Verhältnisse eignete er sich durch Aufmerksamkeit und Fleiß so viele chirurgische Kenntnisse an, daß er nach mehrern Jahren, aus dem Militär Dienste ausgeschieden, sich in seiner Vaterstadt als Feldscher (Wundarzt) niederlassen konnte. Er nannte sich in einem Schreiben vom 10. Juni 1788 caracterisirter Amts Chirurgius et Medicinae practicus. Damals war er noch ledigen Standes und führte keine Haushaltung.

 

Hier heirathet er zu Anfang Februar 1789 Elisabetha Wassnich, mit welcher er 5 Kinder zeugte, eine Tochter, Anna Maria, welche der Rothgerber und spätere Bierbrauerei-Besitzer und Wirth (zum rothen Haus) Peter Keller heirathete, und 4 Söhne.

 

 

Unter (den vier Söhnen Steiningers) war der älteste

 

Richard Maria Steininger

 

geboren den 3. März 1792. Sein Taufpathe war der damalige churfürstlich Trier'sche Amtmann zu St. Wendel, Franz Richard Gattermann, daher sein Vornamen.

 

Vom Jahre 1806-1809 besuchte er mit seinem jüngeren Bruder Johannes die damalige Secundärschule (Gymnasium) zu Trier und trat dann in das dortige Priester-Seminarium. Am 16. Juny 1810 erhielt er von dem damaligen Bischofe von Trier Carl von Mannay die Tonsur, am 23. Mai 1812 die quator minores, am 3. September 1814 von dem Bischofe Joseph Ludwig in Mainz die h. Subdiaconats-Weihe und am 17. December 1814 von dem Trier'schen Bischofe von Mannay die h. Diaconats-Weihe, von welchem Bischofe er endlich am 11. März 1815 auch die h. Priester-Weihe empfing.

 

Am 31. August 1811 hatte er sich bereits den Grad eines Bacheliere en lettres (Baccalaureus) erworben. Kaum Priester geworden wurde er wegen der hohen Vorzüge seines Geistes und seines Herzens schon am 1. October desselben Jahres 1815 mit der Stelle als Professor der Exegese des N.T. und als Subregens des Priester-Seminars zu Trier betraut. In dieser Stellung wirkte er bis zum 1. May 1846, wo er mit billiger Rücksicht auf seine vieljährigen verdienstlichen Leistungen zum Domherrn in Trier befördert wurde.

 

Bei der Wahl eines neuen Bischofs von Trier nach langer Sedis Vacanz im Juny des Jahres 1842 wünschte ein großer Theil des Clerus, daß die Wahl auf ihn fallen würde, doch glaube ich annehmen zu dürfen, daß er selbst, bei seiner Anspruchslosigkeit und Zurückgezogenheit, diesen Wunsch nicht theilte.

 

Er starb infolge eines Schlaganfalles am 14. Januar 1861, nachmittags um halb 2 Uhr, und wurde am 17. Januar des Morgens um 10 Uhr, unter dem Geleite und der Theilnahme der beiden hochwürdigen Bischöfe Dr. Arnoldi und Dr. Braun, des Priester-Seminars, mehreren Ordensgeistlichen, Beamteten, den Verwandten und einer zahlreichen Bürgerschaft aus allen Ständen, innerhalb des Kreuzganges am Dome zur Erde bestattet.

 

Bei seinen philosophischen und theologischen Studien, sagt der Verfasser des ihm gewidmeten Nekrologs, legte er sich mit ganz besonderer Vorliebe auf das Griechische und Hebräische, und es kann wohl ohne Untertreibung behauptet werden, daß kein Fachgelehrter in unserem Trier'schen Lande in Ersterem mehr und fleißiger gearbeitet hat.

 

Der vor einer Reihe von Jahren erschienene Codex sancti Simeonis legt davon Zeugnis ab. Des Todes kalte, unerbittliche Hand ließ zu unserer Freude eine größere Arbeit, die Frucht vieljähriger Thätigkeit und Mühe, im Manuscripte noch zur Vollendung kommen, eine sogenannte Kette (catena) griechischer Kirchenväter über das Evangelium des hl. Johannes, einen starken Folioband in der Handschrift bildend und der Bibliotheck in Cues a.d. Mosel angehörend. (Siehe Trier'sche Zeitung vom ..ten Januar 1861 Nr. .... Soviel mir bekannt ist das fr. Manuscript im Besitze seiner Erben und wird schwerlich zum Drucke kommen.)

 

Steininger liebte die stille Zurückgezogenheit, hatte nur wenig Umgang und lebte nur den Wissenschaften, dabei genoß er mit Recht des Rufes eines frommen, sanftmüthigen und wohltäthigen Mannes. Die Armen fanden an ihm einen stets bereiten Wohlthäter, besonders berücksichtigte er das Hospital seiner Vaterstadt St. Wendel, dem er zu wiederholten Malen reichliche Gaben zufließen ließ, und das er auch in seinem Testamente bedachte.

 

Seine Bibliothek schenkte er dem Priesterseminar zu Trier, in welchem er den bei weitem größten Theil seines musterhaften Lebens zugebracht hatte.

 

In Anerkennung der vielen Verdienste Steiningers als Lehrer der Theologie wurde derselbe noch nach seinem Tode bei Gelegenheit des Jubelfestes der Universität zu Breslau von der dortigen katholisch theologischen Fakkultät im Anfange des Monats August 1861 neben anderen gelehrten und verdienstvollen Männern zum Doktor der Theologiae cathol. honoris causa feierlich promovirt.

 

Johannes Steininger

 

(vgl. über ihn: O. Pohlmann, der Trierer Geologe Johannes Steininger, in "Trier. Chronik" XVI., Trier 1920)

 

geboren am 10. Januar 1794, besuchte gleichzeitig mit seinem älteren Bruder Maria Richard vom Jahre 1806 bis 1809 die Secondärschule und vom Jahre 1809 bis 1813 auch die Vorlesungen über Philosophie und Theologie in dem bischöflichen Seminarium zu Trier.

 

In den Nebenstunden setzte er auch jetzt seine physicalischen Studien, wozu er von früher Jugend an eine besondere Lust und Vorliebe gehabt hatte, eifrig fort. Endlich im Jahre 1813 kam in ihm der Entschluß das Studium der Theologie zu verlassen und sich dem der Physik und Mathematik ganz zu widmen, zur Reife. Paris schien ihm der Platz zu sein, um dort seine höhere Ausbildung in den genannten Wissenschaften zu erweitern und zu vollenden.

 

Im Herbste 1815 wurde er, 21 Jahre alt, an das Gymnasium zu Trier berufen, welches Amt er bis zu seiner Quiescirung, zuerst als ordentlicher Lehrer, dann als Oberlehrer, und zuletzt mit dem ihm verliehenen Titel "Professor" versehen hat. Steininger hat 41 Jahre als Lehrer gewirkt und wurde derselbe auf sein Ansuchen unterm 22. December 1856 mit der gesetzlichen Pension aus dem Amte ehrender Anerkennung seiner Verdienste, seines Amtes enthoben. Ein Augenübel, in Folge dessen er schon seit August 1855 keinen Unterricht mehr hatte ertheilen können, nöthigte ihn, aus seinem ihm lieb gewordenen Amte auszuscheiden. Johannes Steininger hat sich durch seine vielseitigen gelehrten Forschungen und zahlreichen Schriften auch in der Gelehrtenwelt einen mit Achtung genannten Namen erworben. Besonders gebührt ihm der Verdienst, die Wissenschaft auf die in geologischer Hinsicht so wichtige und merkwürdige Eifelgegend hingelenkt und durch eine Reihe von Schriften zur näheren Kunde derselben beigetragen und angeregt zu haben. (Siehe Trier'sches Gymnasial Programm für 1857)

 

Von ihm sind folgende Werke erschienen:

 

1.       Geologische Studien am Mittelrhein. 1819

2.       Die erloschenen Vulkane in der Eifel und am Niederrheine. 1820

3.       Neue Beiträge zur Geschichte der rheinischen Vulkane. 1821

4.       Gebirgskarte der Länder zwischen dem Rhein und der Maas. 1822

5.       Die erloschenen Vulkane in Südfrankreich. 1823

6.       Bemerkungen über die Eifel und die Auvergne. 1824

          (Diese 6 sind bei Kupferberg in Mainz erschienen)

7.       Essai d'une description geognostique du grand-duché de Luxembourg à Bruselle. 1828

8.       Über die Versteinerungen, welche in dem Übergangskalkgebirge der Eifel gefunden worden. Trier 1831 (dieselbe Schrift durch H. Domnando ins Französische übersetzt, erschien in den "Mémoire de la société géologique de France", (tome I. No. X)

9.       Aufsätze über einige Gegenstände aus dem Gebiete der Physik. Trier 1835

10.     Geognostische Beschreibung des Landes zwischen der unteren   Saar und dem Rhein. Trier bei Lintz 1840

11.     Nachträge zu voriger Schrift. 1841

12.     Die Ruinen am Althare zu Trier. Trier bei Lintz 1835

13.     Bemerkungen zur Geschichte des Domes zu Trier. Trier 1839

14.     Geschichte der Trevirer unter der Herrschaft der Römer. Trier 1845

15.     Trier unter der Herrschaft der Franken. 1850

16.     Examen critique de la philosohie allemande, depuis Kant jusqu'à nos jours. Treves 1841

17.     Geognostische Beschreibung der Eifel mit einer Karte etc. Trier

 

Außerdem mehrere Aufsätze und Abhandlungen in Programmen und Zeitschriften.

 

Zum Beweise, welche Achtung, Verehrung und Liebe, sowohl seine Kollegen als seine ehemaligen Schüler dem verdienstvollen Manne zollten, mögen hier zwei lateinische Gedichte, welche in der Trier. Zeitung, das erste etwa 1860, das andere 1862 erschienen, Platz finden.

 

Das erste hat zum Verfasser einen seiner Collegen, den Gymnasiallehrer Dr. Hilgers zu Trier und lautet:

 

De lecto proba Vota offert Collega Magistro

Summum nempo bonum mens sana in corpore sano

Jute fruebaris providus hocce bono.

Ex libris fructus tibi laetos ferre studebas,

 Ingenioque tuo quam bene cessit opus!

Naturam rerum et caecas cognoscere causas

Impiger enixus nobile nomen habes.

Namque mari et terra et coeli zonis peragratis

Gymnasii fines te superasse juvat.

In tibi mechanicano coeli miram penetranti

Rex regum sapiens: "Desine, dixit, opus!"

Inde tuis oculis visum est offundere noctem:

O utinam cernas omnia mente tua!

At pater omnipotens reddat tibi tum in actera,

Naturae ut videas mira creata suae!

Nascentes veris varios mirabene flores,

Innumeras stellas, cum pietate Deum.

 

Das zweite, zu finden in No. 144 der Trierischen Zeitung des Jahre 1862, hat zum Verfasser meinen Freund, den Notar Ernst Pütz zu Lebach:

 

Carissimo suo quondam praeceptori viro praenobilissimo

Joanni Steiningero

professori in litteras meritissimo animo et reverentia et pietate plenissimo hoc carmen onomasticum 24. Jun. 1862 sacrum esse voluit.

E.P.

 

Iam sunt quinque, senex meritissime, lustra peracta,

Ex quibus assiduus Tu mihi doctor eras.

Tempora non delent suavis doctoris amorem,

Qui mihi per vitam duxque paterque fuit.

Discipuli certant hodie certantque magistri

Ornare, ut par est, Te pietate sua.

Gratantum numerum, carissime doctor, alumni

Absentis veteris sedulus auget amor.

Qui doctor scriptisque nites, qui laude perenni

Gaudes, Te merito sera propago colet.

Te cum laude vocat Germania tota, superbit

Nomine conspicus Gallia magna Tuo.

Discipolorum nonne juvat pietate teneri?

Conjugis hi Tibi sunt progenieique loco.

Hos utinam versus oculis Tu cernere posses,

Summis Afficere, Candide, laetitiis!

O placeat Superis aeternis lumen ocellis,

Ex animo precor hoc, reddere dulce Tuis!

Lumine donato rursus Tibi laeta senecta

Contingat tristis diffugiatque dolor!

 

Auch die beiden jüngeren Brüder waren fähige und in ihrem resp. Fächern tüchtige Männer, starben aber beide frühe.

 

Der ältere von diesen namens Nicolaus war Doktor der Medizin und hatte sich in seiner Vaterstadt als praktischer Arzt niedergelassen. Nicolaus Steininger hatte zuerst die Apothekerkunst gelernt. In Saarburg hatte er bereits eine Apotheke selbstständig verwaltet, als seine Mutter um die Erlaubnis einkam, eine 2te Apotheke in hiesiger Stadt errichten zu dürfen, worauf auch der Stadtrath bereitwilligst in seiner Sitzung vom 20. November 1820 eingegangen war, indem er in den Erwägungen sagt, daß die Errichtung einer 2ten Apotheke schon lange der allgemeine Wunsch gewesen.

 

Der jüngere Philipp Jacob hatte Philologie studirt und hatte als Lehrer eine Stelle an dem Gymnasium zu Essen am Niederrhein gefunden. Dieser starb unverheirathet. Jener war zwar mit einer geborenen Kirsch aus St. Wendel verheirathet gewesen, die Ehe war aber kinderlos geblieben.

 

Der Name Steininger ist hernach in dieser Linie ausgestorben, wie er denn überhaupt in St. Wendel nicht mehr existirt.

 

Quelle: Julius Bettingen, "Geschichte der Stadt St. Wendel", IIter Theil, 1865

Original im Bestand des Historischen Vereines für die Saargegend

 

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