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Kapellen in St. Wendel -> Die Magdalenenkapelle in St. Wendel -> Die Brände im 16. Jahrhundert

 

Die Magdalenenkapelle hat im Laufe ihrer langen Geschichte des öfteren ihr Aussehen gewechselt, und wir können nur vermuten, daß sich ihr Grundriß zumindest bis 1800 nicht verändert hat.

 

Eine Zäsur geschah im Jahre 1515. In der Nacht nach ?oculi?, das ist der 3. Fastensonntag, nach heutigem Datum der 25. März, brach im Pfarrhof an der Nordostecke der Pfarrkirche ein Feuer aus, das rasend schnell um sich griff und in den mittelalterlichen Fachwerkbauten mit ihren Strohdächern willkommene Nahrung fand. Damals wie heute standen die Häuser dicht an dicht und waren nur durch enge Gässchen getrennt, die den Weg in Richtung Stadtmauer erlaubten. Über das Brandschutzwesen dieser Zeit wissen wir sehr wenig; die ersten Feuerspritzen tauchen erst 100 Jahre später in den Stadtrechnungen auf. Der Ledereimer wird das Hauptwerkzeug bei Bränden gewesen sein.

 

Vom Pfarrhof ausgehend breitet sich das Feuer schnell in zwei Richtungen aus, nach Westen Richtung Rathaus, nach Osten Richtung oberes Tor. Dort muß es irgendwo die Kluft der heutigen Balduinstraße überwunden haben und kehrt zurück auf der anderen Straßenseite nach Westen. 33 Anwesen mit Scheune und Stallungen fallen dem Brand zum Opfer, unter ihnen die Magdalenenkapelle.

 

1589 geschieht es erneut. Der Schultheis Sebastian Linxweiler meldet uns:

 

?In dem Jar nach der geburtt unsers Hern Jesu Christi ? 1589

uff Sampstag den 23. September zwischen zweyhen ?

und dreyhen uhren nach Mittag

ist ein groißer Brandt alhie für gangen.

uber etelich und achtzigk fürsten ingebrant sampt der Cappeln.?

 

Linxweiler fährt fort ? und ? ganz ehrlich ? das hat mir sehr imponiert:

 

In der stundt hab ich Sebast. Linxwiller dießer Zeiten Scholtheis und Kirchen Maister, mein huß mitt einem halben pont wax dem hailigen Sant Wendlin zinsbar gemacht: Soll alle Jar von mir und meinen erben und nachkomen außgericht werden Uff weinachten.

 

Das Feuer ist im Dachstuhl eines Hauses entstanden und dann reihum von Dach zu Dach gesprungen. Leider sind die Unterlagen der damaligen Zeit sehr allgemein und bieten nicht genug Details, als daß wir uns ein genaues Bild des Schadens am Gebäude machen könnten.

 

Aus dem bißchen, was wir da haben, schließe ich, daß das Dach der Kapelle abgebrannt und eingestürzt ist und das Gebäude auch innen brannte, weshalb die Fenster zerstört wurden. Die dicken Mauern werden intakt geblieben sein..

 

=> Wendelskapelle oder Magdalenenkapelle?

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