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Dranne Hand und abbe Rolle

ein ärgerlicher Artikel

verfaßt im Januar 2005

 

Manchmal fragen mich die Leute während der Stadtführung, warum die rechte Hand der Wendalinusfigur überm Brunnen so hell ist (und größer als die linke) und sein Gesicht zu dunkel. Dann erzähle ich ihnen, daß Wendel aus Schottland kommt, und beeile mich hinzuzufügen - ehe der logisch folgende Einwurf kommt, "ja, wenn er aus Schottland kommt, müßte sein Teng ja noch heller sein" -, daß der ehrwürdige Herr schon ein paar Jährchen da oben steht und den Dreck der Zeit so richtig "volle Lotte" abbekommen hat, ohne sich dagegen wehren zu können. Vor allem natürlich den Dreck des 20. Jahrhunderts. Und daß die ganzen Autoabgase derer, die täglich durch die Balduinstraße brettern, ihr Schärflein dazu beigetragen haben.

 

"Ja, aber was ist denn nun mit der Hand?", fragen sie mich. Das ist eine andere Sache. Hier sind zwar auch Menschen am Werk gewesen, aber von einem ganz anderen Schlag. "Schlag" ist das richtige Wort, denn genau so einen müssen die haben - und zwar einen recht großen - die völlig unbedarft und ohne irgendeinen Sinn für irgendetwas, ohne Motiv, ohne Verstand - an der Brunnensäule emporklettern, um ein Standbild zu verstümmeln. Sie machen sich wohl einen Spaß draus, dem Figur die Hand zu schütteln und zwar solange, bis der Klügere nachgibt, in dem Fall, die Hand bzw. die Figur, zu der sie gehört. Ob der Heilige über seine Standbilder wacht oder nicht, die Figur, die da oben steht, hat jedenfalls einiges mehr drauf als die Chaoten, die sie von Zeit zu Zeit verschandeln. Sie symbolisiert die Geschichte unserer Stadt, ihre Vergangenheit und ihre Zukunft, und bringt Menschen von außerhalb dazu, St. Wendel zu besuchen und den einen oder anderen Euro hier auszugeben. Und das seit über 800 Jahren (auch wenn Brunnen und Figur beileibe nicht so alt sind, aber dafür die Überlieferung der Geschichte des heiligen Wendalinus).

 

Aber das begreifen diese Gestalten nicht, die sie verstümmeln, nachts - heimlich - wenn es keiner sieht, feige verborgen im Dunkeln. Sie machen sich keinen Kopp darum, ob sie jemanden damit treffen, nicht einmal Rache ist es, da sie die Geschädigten - uns - nicht kennen. Und so macht es keinen Unterschied, ob sie dem Stadtpatron die Hand abmontieren, unserer alten Nachbarin die Blumenschalen verwüsten oder mal im Vorbeischlendern unsere Zeitungsrolle aus ihrer Halterung reißen. Und Spaß kann es eigentlich auch keinen machen, und materiellen Zugewinn gibt es auch nicht, denn die Hand landet in der Blies, die Blumen auf der Straße und die Zeitungsrolle Garten nebenan. Ach, Kinners, was tut ihr mir leid.

Historische Forschungen · Roland Geiger · Alsfassener Straße 17 · 66606 St. Wendel · Telefon: 0 68 51 / 31 66
E-Mail: rolgeiger(at)aol.com · (c)2009 hfrg.de

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