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Brühlstraße 5

 

Hier wohnte Christoffel Zimmer aus Mainzweiler, dessen Ehefrau Maria Angela Marx aus Urweiler aus erster Ehe (mit Michel Jung) fünf Kinder mit in die Ehe gebracht hatte. Christoffels Stieftochter Anna Maria heiratete 1783 den Hufschmied Peter Becker (1754-1818) aus Haupersweiler. Am Silvestertag 1783 legte er seinen Eid als Neubürger ab und kaufte kurz danach von seinem Schwiegervater Christoph Zimmer das Haus. Die Schmiede wird in der Feuerversicherungsliste extra genannt. Da sie eine erhöhte Gefahr darstellte (die Chance, daß hier ein Feuer ausbrach, war durch die offene Esse viel größer als anderswo), mußte er dafür einen Zuschlag zahlen. Dazu wurde seine Versicherungssumme um 10 Reichsthaler erhöht und daraus die Prämie errechnet.

 

Das Haus vermachte er 1817 seinem Tochtermann Nikolaus Erhart, Schneider zu St. Wendel, und dessen Ehefrau, seiner Tochter Barbara Becker, je zur Hälfte. Dem Ehepaar Erhardt gefiel es hier unten so weit außerhalb der Stadt aber wohl nicht so besonders, deshalb verkauften sie 1827 das Haus für 1300 Gulden an den Fuhrmann Wendel Scheffler und seine Ehefrau Maria Klara Jung und zogen in die heutige Luisenstraße, wo sie im gleichen Jahr von der Familie Waldecker ein dreistöckiges Wohnhaus ersteigerten. Die Kinder und Erben des zu St. Wendel verstorbenen Wendel Scheffler ließen das Haus 1868 versteigern; der Zuschlag ging für 1555 Thaler an den jüdischen Handelsmann Balthasar Jakob aus Haupersweiler. Der verkaufte kurz darauf an den Metzger Nathan Kahn aus Bildstock, der aber bereits 1871 wiederum versuchte, das Gebäude loszuwerden. Ein Vertrag mit Katharina Schmidt, Witwe von Karl Cazzini, Inhaberin eines Bäckergeschäftes in St. Wendel in der Luisenstraße, schlug fehl.

 

Fünf Jahre später - am 14. Dezember 1876 - verkaufte Kahn das Gebäude an den Schneidermeister Nikolaus Zawar aus St. Wendel, der sich aber nicht lange daran erfreuen konnte. Seine Witwe Victorina Bentz ließ 1878 durch ihren Bevollmächtigten, den öffentlichen Sekretär Jakob Schmitt aus Alsfassen, das Gebäude versteigern. Wieder sind es jüdische Kaufleute, die das Haus warben: Balthasar Jakob, Handelsmann in St. Wendel, und seine Ehefrau Karolina Wolf, die zehn Jahre zuvor schon einmal kurz Eigentümer gewesen waren. Im Februar 1910 verkauften sie es an ihren Schwiegersohn Israel Sender, Handelsmann in St. Wendel, und seine Ehefrau Ida Jakob. Sender starb 1928, doch seine Ehefrau blieb im Haus Brühlstraße 5. Im Adreßbuch von 1933 wird August Schmitt im Haus als Mieter genannt, Bücherrevisor und Steuerberater, zugelassen bei der Regierungs-kommission des  Saargebietes. Eigentümerin ist weiterhin Ida Sender; sie wird am 7. Juli 1939 nach Frankfurt am Main abgemeldet. Die 83-Jährige wird am 31. Januar 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet.

Grausig.

 

Auf dem freien Platz vor diesen beiden Häusern fand bis ins frühe 20. Jahrhundert der Pferdemarkt statt. Das geht aus einem alten Plan hervor, der anläßlich des Mauerbaus um das Jochumsche Trümmergrundstück angelegt wurde.

 

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