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Geschichte(n) -> 1838-1841 Als das Hildegardisheim zum ersten Mal verkauft wurde.

Als das Hildegardisheim zum ersten Mal verkauft wurde.

 

Dort, wo sich in St. Wendel heutzutage das stolze Postgebäude (einer der häßlichsten Zweckbauten, den unsere Stadt vorzuweisen hat - und glauben Sie mir, wir haben mittlerweile einige davon!) erhebt, stand bis in die 1960er das sog. „Hildegardisheim“, das sich im Laufe seiner gut 150-jährigen Geschichte vom privaten, wenn auch bessergestellten Wohnhaus zum Verwaltungssitz (u.a. beherbergte es das Amtsgericht St. Wendel) mauserte. Seine etwas obskuren Namen erhielt es um die Wende ins 20te Jahrhundert, als ein privater Unternehmer eine Schule für junge Damen darin eröffnen wollte, aber schon in der Umrüstungsphase pleite ging.

 

 

Das Hildegardisheim in den 1930ern von der Bahnhofstraße aus.

 

Ursprünglich hatte an dieser Stelle die Niederweiler Mühle gestanden, die um 1814 abgerissen wurde, als der Posthalter Heinrich Cetto (1786-1832) hier für seinen Schwiegervater, den bekannten Pastellmaler Nikolaus Lauer (1753-1824). Die Tochter des Malers und Ehefrau von Heinrich Cetto, die in den folgenden Notariatsakten genannt wird, war Maria Regina Lauer (1789-1838).

 

[Alle Notariatsakten: Landesarchiv Saarbrücken, Bestand Notariat St. Wendel]

[Die Währung ist in bisweilen in Gulden (fl), sonst in Thaler (Th) - Silbergroschen (Sgr) - Pfennig (pf) gerechnet => z.B. 5-4-2; werden nur zwei Werte angeboten, wurden die Pfennige vernachlässigt oder fielen weg]

 

Notar Hen, Nr. 69 vom 12.02.1838

 

Herr Philipp Cetto, Rentner in St. Wendel, in seiner Eigenschaft als Vormund der noch unmündigen Kinder seines verstorbenen Bruders Heinrich Cetto und seiner vor kurzem hier verstorbenen Schwägerin Maria Magdalena Lauer namens:

 

1. Henrietta 20

2. Maria 17

3. Ida 15

4. Maximilian 10

 

Die gedachte Frau Cetto sei vor 8 Tagen gestorben und bei deren Ableben habe das Königliche Friedensgericht dahier die vorhandene Mobiliarschaft unter Siegel gebracht. Diese Mobiliarschaft soll, was Haus-Mobilien betrift, gänzlich versteigert werden. Nun befinde sich darunter etwas schmutzige Leinwand, welche vorher gewaschen werden müsse. Sie hätten daher den Herrn Friedensrichter ersucht, da vor sich diese Leinwand Vorfindet, die Siegel abzunehmen, dieselbe freizugeben und dann die Siegel wiederanlegen zu lassen und da der Herr Friedensrichter gegenwärtig in dem Sterbehause der Frau Cetto anwesend sey so ersuchten sie uns, uns ebenfalls dorthin zu begeben und daselbst die freizugebende Leinwand (nicht lesbar; der Notar begibt sich dorthin und erhält die Freigabe der schmutzigen Wäsche, die genau gelistet wird).

 

Da das Wohnhaus der Frau Cetto von der Stadt entlegen und ihre inne gehabte Wohnung unbewohnt ist, so hat man für räthlich erachtet:

a. das Silberzeug

b. das Baargeld

c. die Bücher

ebenfalls freizugeben und aus der Wohnung der Frau Cetto zu entfernen und in jene des Vormunds ihrer Kinder zu bringen. Es wurden demnach dem Herrn Vormund weiter frei gegeben resp. zur Aufbewahrung behändigt:

 

Silber  (siehe Akt 149/1838)

Baares Geld (siehe Akt 149/1838)

 

Bücher:

Es fanden sich vor

I. Ein Register, betittelt:

„Hausbuch von Heinrich Cetto“ enthaltend 43 Blätter, welche wir numerirt und auf dem dem 1sten und letzten contrasignirt haben. Die Blätter 1 - 13 sind verschrieben und enthalten größtentheils Verzeichnung von ausstehenden Capitalien, worüber sich folgend Urkunden vorgefunden haben:

                                                                                                        Th-Sgr-Pf

1. Handschrift von W. Rautenstrauch et Compagnie in Trier vom 31.12.18__          5000-00-0

2. Obligation vom 12.03.1837 von Mathias Klos aus Marpingen                               100-00-0

3. Handschrift vom 27.02.1831 von Michel Brehm von Urexweiler                            277-23-6

4. Handschrift vom 01.01.1833 von Jakot Stoll, Thierarzt in St. Wendel                   277-23-6

5. Handschrift vom 12.01.1837 von Nikolaus Paul von St. Wendel                            27-23-5

6. Handschrift vom 02.09.1837 von Georg Magnus von Marpingen                             7-00-0

7. Handschrift vom 20.02.1837 von (unlesbar)                                                     44-00-0

8. Handschrift vom 20.03.1837 von Franz Sesterhenn von Namborn                        100-00-0

9. Handschrift vom 19.02.1837 von Johann Hans von Winterbach                           100-00-0

10. Handschrift vom 18.01.1836 von Jakob Flecks Wittib von Oberlinxweiler               20-00-0

11. 7 Schuldscheine an porteur von der Stadt St. Wendel vom 01.11.1825.

Davon:

a. 5, jeder 19 fl

b. 1 von 50 fl

c. 1 von 100 fl, zusammen                                                                              111-03-6

12. Papieren über den Hausbau zu Niederlinxweiler [Niederweiler]

13. Quittung über 1 Thaler, der an das Comitee der Saarbrücker Manheimer Eisenbahn am 21. April bezahlt worden.

 

II. Eine Mappe mit

a. Privat Papieren

b. Hagendornsche Haus Prozeß Papiere

c. Hausbau Sachen

d. Quittirte Rechnungen

e. Hagendornsche Büttnersche Prozeß Sachen

worin eine starke Parthie allerey unwichtiger Papiere enthalten ist.

 

III. Eine Mappe überschrieben

a. ausstehenden Capitalien

b. Stadt Dokumente

c. Kaufbriefe

d. Hinterlassenschafts Sachen meiner seel. Mutter

e. Dienst-Privat-Sachen

Feuer-Versicherungs-Sachen

 

Jn dieser Mappe lag früher das sub I. hieroben beschriebene Hausbuch und die nach diesem beschriebenen Schuldbriefe, gegenwärtig befinden sich in derselben noch allerley Papieren von geringer Bedeutung.

 

Da die gegenwärtige Aufnahme keinen anderen Zweck hatte (als diese zu entnehmenden Sachen aufzunehmen), beendete man den Besuch.

 

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Notar Hen, Nummern 148 + 169 vom 14. + 17.03.1838

 

1. Philipp Cetto, Rentnerin in St. Wendel, als Vormund über die Kinder der verlebten Eheleute Herr Heinrich Cetto und Frau Regina Magdalena Lauer, im Leben in St. Wendel wohnhaft, namens

 

a. Henrietta 20

b. Maria 17

c. Ida 15

d. Maximilian 10

 

2. Nikolaus Weisgerber der alte, Schlosser in St. Wendel, Nebenvormund

 

Sie erklären: die gedachte Frau Cetto sey zu Anfang des vorigen Monats verstorben und dadurch die Nothwendigkeit eingetreten, das vorhandene Vermögen zu veräussern, da die Kinder noch unmündig seyen und keine Haushaltung mehr fortgeführt werden könne. Das Inventarium solle zwar zuerst gefertigt werden, da aber die in demselben zu bewirkende Schatzung der Mobilien durch die Versteigerung sich ändern muß dadurch gleichsam wieder zunichts wird so hätten sie früher beschlossen das Inventarium erst nach der Versteigerung errichten zu lassen und durch dasselbe eine bleibende Uebersicht des Vermögens zu erlangen; da aber diese Versteigerung wegen vorhandenen Umständen nach so schnell nicht stattfinden könne, so hätten sie die Errichtung des Inventars doch länger nicht anstehen lassen wollen, ersuchten uns demnach uns in das Sterbhause der Frau Cetto zu begeben und daselbst das Inventarium vorzunehmen dem wir sogleich willfahrt haben.

 

Dort angelangt trafen wir

1. den Herrn Friedensrichter Knauer

2. den Friedensgerichtsschreiber Herrn Bicking

3. die zur Schatzung der Mobilien ermächtigten Experten Herr Nikolaus Cetto Posthalter und Jakob Noß, Ackerer beide in St. Wendel wohnhaft. Der Herr Friedensrichter schritt sogleich zur Annahm der angelegten Siegel worauf wir zur Inventur wie folgt geschritten haben:

 

394 Positionen (Thaler-Silbergroschen)

darunter

1. 7 Stück flächsene Leintücher                                                                        10-15

10. 2 große blaucarirte Bettüberzüge                                                                   2-06

22. 6 Stück Servietten breit gestrichen Zwilch bolden                                             1-28

47. 12 gebilde Handbücchen Carreau                                                                   3-06

75. 1 gelbgestreiftes Kleid                                                                                 0-25

81. 1 Mantel zu Cachemir                                                                                 10-0

83. 1 Schaal Türkisch Muster-Woll                                                                     15-0

101. 1 Pelzkragen und 2 Pelzkäppchen                                                                 0-05

109. 1 goldene Sackuhr                                                                                   20-0

110. 1 Siegelring                                                                                              8-0

111. 1 goldener Ring mit Wasserstein                                                                   8-0

112. 1 goldene Halskette                                                                                   3-0

113. 1 Vorstecknadel                                                                                        2-0

114. 1 Carneol Petschaftsstein                                                                           0-20

117. 1 Standuhr                                                                                             20-0

118. 1 polirter Tisch von Nußbaumenholz                                                              3-0

141. 1 Hirschfänger mit Koppel und ___messer                                                       3-0

146. 8 Stühl, gepolstert und ein Kanapee                                                            24-0

149. 1 Consoltisch mit Marmorplatte                                                                    5-0

155. 1 Klavier                                                                                                50-0

175. 13 Familiengemälde und 34 andere Gemälde                                                100-0

180. 1 Mappe mit 15 Bilder, 1 Bilderheft, 2 Karten und ein Plan von Paris                    2-00

204. 1 Tabaksflasche                                                                                        0-02

217. 2 Flaschen SenftGurken, 1 Fl. saure Gurken                                                    0-20

222. 2 zinnen Suppenteller                                                                                 1-12

229. 1 Bettpfanne                                                                                            0-05

241. 12 alte Pfannen                                                                                        0-04

269. 1 Haarsüb und darin etwas Altblechengeschirr                                                0-07

        Total                                                                                                  714-03

 

Da es halb acht Uhr abends und zu spät ist, um die gegenwärtige Inventur heute noch zu vollenden, so haben wir dieselbe für heute geschlossen und die Fortsetzung auf den nächsten Samstag den siebenzehnten dieses Nachmittags ein Uhr festgesetzt.

 

[Fortsetzung]

Notar Hen, Nr. 169 vom 17.03.1838

 

Fortsetzung der Inventur der Witwe Cetto

266. 46 Pfund gedörrtes Schweinefleisch                                                              6-04

273. 1 Butterfaß                                                                                              0-05

279. 1 hölzerne Uhr                                                                                          1-00

283. 1 alte Sense und Säge                                                                               0-08

304. 2 Kehrbesen, 1 Spinnenkopf, 1 Handbörse                                                      0-10

324. Ein Haufen Bohnenstecken von circa 150 Stück                                              0-12

333. Circa 3 ½ Malter Grundbirnen                                                                      5-00

355. 5 Stück Schlittenkufen, 1 alter Schubkarren und 2 Leitern                                2-00

356. 34 ¾ Heu                                                                                               18-00

379. Ein Plimon, Eiderdan und Pflaumen                                                                3-00

393. 38 Stück grüne Buteillen von allen Sorten                                                      0-20

394. ohngephär 3 Faß Waitzen                                                                           2-15

 

Da nun die vorräthige gesamte Mobiliarschaft aufgenommen ist, so wäre zur Bildung der Mobiliarmasse hier beizufügen, was in der Inventur vom 12. vorigen Monath enthalten ist und in folgendem besteht:

1. die dort aufgenommene schwarze Wäsche, ist nach dem sie gereingt worden war, zu dem übrigen Getüch gebracht und mit demselben in dieser Inventur aufgenommen worden, so daß davon nichts mehr hierher kömmt.

 

Silber

2. 12 neue Rosenlöffel wiegend 12 ¾ Loth                                                            8-15

3. 4 alte dergl., 5 ½ Loth                                                                                  3-20

4. 16 Stück Eßlöffel, 1 Pfund 20 Loth                                                                 34-20

5. 1 Gemüslöffel, 4 ½ Loth                                                                                 3-00

6. 1 Süppenlöffel, 9 Loth                                                                                   6-00

7. 1 Zuckerzange im Thee Sübchen, 3 Loth                                                           2-00

8. 1 Milchkanne, 4 ½ Loth                                                                                 3-00

9. 1 paar Sporn, 5 ½ Loth                                                                                 3-20

 

Baares Geld

Nach dem erwähnten Inventur vom 12ten vorigen Monats

beträgt das baar vorräthig gewesene Geld                                                         233-13-8

 

Ausstände

nach derselben Inventur betragen die dort verzeichneten

Capitalien, ohne die davon rückständigen Zinsen, die erst

berechnet und später nachgebracht werden sollen,                                           6069-13-11

 

Ausstände, welche der Herr Vormund Cetto seit dem Todte seiner Frau Schwägerin erhoben hat.

 

Herr Vormund Cetto hat erhoben von:

1. Förster Schwendler von Niederlinxweiler                                                          33-10-0

2. Von einem verkauften Schweine                                                                      3-27-6

3. Von der Stadt St. Wendel die Zinsen von 3 Monat von einem Capital von 200 fl       1-11-3

NB: Das Capital selbst ist ebenfalls eingegangen, dasselbe

aber in der erwähnten Inventur vom 12ten vorigen Monats

unter No 11 der ausstehenden Capitalien figurirt, so kann es

hier nicht wieder in Aufrechnung kommen.

4. Von Michel Tholey, Tüncher, die Zinsen von einem schuldigen Capital                     2-06-0

5. Von der Königlichen Staatskasse

a. die Pension der Frau seelig Cetto von dem Monat Januar

und Februar und den Gnaden Monat Merz                                                            14-08-5

b. Das ErziehungsGehalt der Kinder vom 1. Quartal dieses Jahres                             11-12-9

 

die ganze Mobiliarmasse beträgt                                                                     7391-68-6

 

Schulden

Einige kleine Rechnungen von Krämern und Handwerksleuten abgezogen bestehen die Schulden blos in den Kosten der letzten Krankheit der seel.. Frau Cetto und in den Kosten welche deren Absterben verursacht hat. Diese Schulden bestehenden in folgendem und sind bereits durch Herrn Vormund Cetto bezahlt worden

1. Pastor und Küster zu St. Wendel für Kosten der Beerdigung                                  2-05

2. Nicolaus Öl von da                                                                                        1-15

3. Tünchermeister Tholey                                                                                  2-00

4. Wendel Lieb von da für Heubinderlohn                                                              1-09-4

5. der Kinder Henriette und Maria Cetto im Interesse der Masse                                5-00-0

6. Schuhmacher Bur von St. Wendel                                                                    1-29-6

7. Herrn Apotheker Riegel                                                                                  7-16-1

8. denselben                                                                                                   3-18-9

9. Ebendemselben                                                                                            3-00-6

10. der Kinder Henriette und Maria Cetto im Interesse der Masse                              2-15

29. Kiefer Rittersdorf von St. Wendel                                                                   0-6-8

30. Endlich wurde bezahlt für Kosten der Beerdigung der

verstorbenen Dienstmagd Anna Maria Pfeifer                                                         6-12-6

31. Herr Doktor Schwalb in St. Wendel für ärztliche Behandlung                              58-17-6

32. Herr Doctor Staub in St. Wendel                                                                    6-00-0

 

total                                                                                                          172-09-8

 

Mobiliarschaft                                                                                             7391-08-6

die davon abzuziehenden Schulden                                                                  172-09-8

bleibt ein Vermögen                                                                                     7218-28-10

 

Fügt man dieser Summe den Werth der vorhandenen

Immobilien bei, welche in meinem Wohnhause zu St. Wendel

zu Niederweiler mit dabei befindlichen Gärthen und Wiese

bestehend                                                                                                 3600-00-0

 

so ergibt sich für die Kinder ein gesammt Vermögen von                                    10818-28-10

 

 

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Notar Hen, Nummern 212-213-214 vom 03.-04.-06.04.1838

 

Mobilienversteigerung des verlebten Heinrich Cetto

 

642 Positionen für                                                                                         971-7

 

darunter diverse Bücher

die Ansteigerer sind meistens genannt

 

 

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[Zwischendurch melden sich immer wieder Schuldner der Familie, um ihren Vertrag zu bestätigen.]

 

Notar Hen, Nr. 228 vom 16.04.1838

 

Nikolaus Münster, Leyendecker, und seine Ehefrau Barbara Burgholzer, St. Wendel, erklären schuldig zu sein an die noch unmündigen Kinder der zu St. Wendel verstorbenen Eheleute Heinrich Cetto und Regina Magdalena Lauer, vertreten durch ihren Vormund Philipp Cetto, eine Summe von 220 Thaler und geben als Sicherheit ihr in der Stadt St. Wendel in der Hintergasse zwischen Johann Münsters Wittib und Josef Back gelegenes Wohnhaus mit Stallung, Dungkaul, Hofbering und Garten plus diverse unbebaute Grundstücke.

 

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Notar Hen, Nr. 344 vom 26.09.1838

 

Versuchte Hausversteigerung für Heinrich Cettos Kinder in St. Wendel -Niederweiler

ist fehlgeschlagen.

 

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Zuvor hat Hen in verschiedenen Zeitungen auf den geplanten Verkauf aufmerksam gemacht, u.a. im Wochenblatt für Zweibrücken, Homburg und Cusel, Nr. 85, Dienstag, 17. Juli 1838

 

[eingesehen in Google-Books]

 

Ankündigung

In Gemäßheit eines am 1. Juni dieses Jahres, auf dem königlichen Friedensgerichte zu St. Wendel gefaßte Familienraths=Beschlusses, welcher durch Urtheil des königlichen Landgerichts in Saarbrücken, vom 2. dieses Monats gehörig bestätigt worden, und auf Anstehen des Herrn Philipp Cetto, Rentner in St. Wendel wohnhaft, in seiner Eigenschaft als Vormund, und des Nikolaus Weißgerber senior, Schlosser, ebendaselbst wohnhaft, in jener als Nebenvormund über:

a. Henriette

b. Maria Louisa

c. Thekla Ida und

d. Carl Georg Max Cetto zu St. Wendel,

unmündige Kinder der allda verstorbenen Eheleute Heinrich Cetto und Regina Magdalena Lauer, soll Mittwoch den 26. des nächstkommenden Monats September, Nachmittags 2 Uhr zu St. Wendel, in dem Hause des Herrn Wendel Demuth junior, zur öffentlichen Versteigerung eines den genannten Kindern zugehörigen, zu St. Wendel, Distrikt Niederweiler, gelegenen Wohnhauses und Zubehör, unter sehr annehmbaren Bedingungen, durch den unterzeichneten, hierzu committirten Notär geschritten werden.

 

Das besagte Wohnhaus ist an der südlichen Seite der Stadt St. Wendel, an der Straße nach Saarbrücken, Saarlouis und Birkenfeld, äußerst schön und angenehm gelegen, ist neu erbaut, geräumig, schön und bequem eingerichtet; begrenzt durch die genannten Straßen und die Blies, und hat sehr schöne Keller und Speicher. Es befindet sich dabei Stallung, Schoppen, Hofraum, ein schön angelegter Garten von 121 ¼ Ruthen, und eine unmittelbar daran gelegene Wiese von vorzüglicher Güte von 210 Ruthen 24 Schuh. Das Ganze enthält nach dem Lagerbuch einen Flächenraum von 2 ¼ Morgen 8 Ruthen 34 Schuh.

 

Auf dem Hofbering befindet sich ein Brunnen mit sehr gutem Wasser, der durch Rinnen auf die östliche Seite des Hauses geführt werden könnte, und dort das nöthige Wasser, zum Betriebe einer Gerberei, oder eines sontigen Geschäfts liefern würde.

 

Das Haus mit seinen Zubehörungen ist an den Straßen mit einer Mauer umgeben und zwei Einfahrt=Thoren versehen; mit der Stadt St. Wendel, von der es etwa 200 Schritte entfernt ist, mit einer Pappel-Allee verbunden, und eignet sich zu einem jeden Geschäfte, besonders aber zur Wirthschaft.

 

St. Wendel, am 16. Juli 1838.

Hen, Notär.

 

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Notar Hen

441

22.12.1838

 

Susanna Marx, Witwe von Wendel Becker, und ihr Sohn Wendel Becker, ledig, großjährig, sind an die Kinder von Heinrich Cetto bares Geld in Höhe von 200 Thalern schuldig. Jakob Altmeyer, Ackerer und Ortsschöffe in Alsfassen, tritt als Bürge auf.

 

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Notar Hen, Nr. 520 vom 31.10.1841

 

Herr Philipp Cetto, Rentner in St. Wendel, im Namen der jüngsten Kinder seines in St. Wendel verstorbenen Bruders Heinrich Cetto und dessen verstorbener Gemahlin Regina Magdalena Lauer namens

 

a. Henriette

b. Maria Louise

c. Thekla Ida

d. Carl Georg Max Cetto

 

versuchten am Mittwoch, 26.09.1838, ihr Wohnhaus in Niederweiler zu verkaufen. Da der Schätzpreis von 3.600 Thalern nicht erreicht wurde, unterblieb die Versteigerung.

 

Jetzt wird ein neuer Versuch unternommen: das zu versteigernde Eigentum besteht in einem neu erbauten Wohnhause und in den dabei befindlichen und dazu gehörigen Stallung, Schopp, Wohnraum, angelegten Garten und einer Wiese und ist begrenzt westlich durch die Straße von St. Wendel nach Ottweiler, östlich durch die Blies, nördlich durch die Straße von St. Wendel nach Tholey und südlich durch Johann Schlemmer.

 

Nach mehreren Steigerungen that Herr Johann Biegel, Steuer-Controleur in St. Wendel wohnhaft, das letzte Gebot und erhob die Summe zu 3.380 Thaler, wobei er den Zuschlag erhielt.

 

 

 

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