Schriftzug

Briehl, Brühl

 

Der Flurname ?Briehl" tritt auf fast allen Gemarkungen des Saarlandes auf und bezeichnet eine feuchte, im allgemeinen recht gute Wiese beim Orte. Als Flurname verbreitet im Ober-, Mittel- und Niederdeutschen.

 

Das Wort ?Brühl" kommt z. B. in einem Güterverzeichnis der Abtei Prüm vom Jahre 893 vor ?broil". (Beyer: Urkundenbuch.) Die mhd. Dichtungen zeigen das Wort meist in der Form ?brüel", z. B. im ?Jungen Titurel": ?er reit die brüel und die tiefen lachen," im ?Trojanischen Krieg" des Konrad von Würzburg: ?sô sint die grüenen bruole ge-valwet".

 

Auch in der altfranzösischen Dichtung, z. B. in den Laïs der Marie de France (Ende 12. Jahrh.) begegnen wir dem Worte in der Form ?b r u i l", z.B. ?bruil et présunt reverdi", d.h. Brühle und Wiesen sind wieder ergrünt; charakteristisch ist noch die Wendung ebenda:

 

?Al bruil plus pres de la cité sunt tuit veneüralé", d. h.:

Zum Brühl ganz nahe bei der Stadt sind alle die Jäger gegangen.

 

In den angeführten Belegen und in allen andern Dichtungen des Mittelalters ist Brühl im allgemeinen ein feuchter Wiesengrund mit Gebüsch und Gehölz, der als Wildgehege diente. Bereits Karl der Große hatte solche Wildgehege, die Brühle hießen und umzäunt waren. Als man später für das Rotwild besondere Tiergärten anlegte ? vgl. den Flurnamen Tiergarten auf den Feldmarken der saarländischen Orte: Mingen, Wiebelskirchen (ebenso 1766), Urexweiler, Eisweiler, Schaffhausen, Hostenbach, Waller-fangen, Rümmelbach, Kerprich-Hemmersdorf, Biringen, Schwemmlingen, Beckingen ? bildeten die Brühle nur noch das Reich der Schweine. Ihre einstige Bestimmung als reines Tiergehege scheinen die Brühle im Mittelalter teilweise verloren zu haben. Sie wurden der Tummelplatz für Ritterspiele, Turniere, Schießübungen und mit dem Wachsen der Städte vielfach eine Art Freiplatz, Versammlungsort, So ist z. B. der Brühl in Konstanz' (erwähnt 1239) bekannt als der Platz, auf dem 1415 Huss verbrannt wurde. Bekannt sind ferner die ?Brügelwiesen" von Dürkheim a. d. Haardt (Rheinpfalz), wo alljährlich der berühmte Wurstmarkt abgehalten wird.

 

In Italien treffen wir den Rathausplatz von Mailand und Venedig unter dem Namen ?Broletto", und ein Versammlungsort in Pavia heißt ?Broglio". In Frankreich gibt es eine ganze Reihe Orte, die den Namen ?Le Breuil" tragen, außerdem den Adelsnamen ?de Broglie".

 

Als Straßenname und Name von Ortsteilen ist Brühl erhalten in: Konstanz, Straßburg, Kassel, Erfurt, Leipzig, Hildesheim. Als Ortsname im engeren Sinne in Brühl bei Köln, Brohl, Rheinbrohl, Waldbröl; ferner Brühl oder die Briet, das wegen seiner landschaftlichen Reize bekannte Tal des Mödlingbaches südlich Wien, dort die Dörfer Vorder- und Hinterbrühl. Bei Quedlinburg heißt ein Park ?Brühl".

 

Der in Deutschland weitverbreitete Familienname ,,Brühl" ist ursprünglich ein Flurname (nieder-deutsch ist Priel ein kleiner Wasserlauf).

 

Wir werden überall feststellen können, daß der Brühl dicht beim Orte oder sogar im Orte liegt; sicher finden wir ihn bei ehemaligen Herrschaftssitzen.

 

Rechtlich war er das Wiesenland, das die Grundherrschaft als Sonderbesitz aus der Acht oder Beunde ausgeschieden hatte. Im Bischmisheimer Weistum von 1402 heißt es: ?Item, wanne eyn probest den bruel dut mehen ..." Der Brühl gehörte dem Kloster Remigiusberg (aus: Ruppersberg: Geschichte der Grafschaft Saarbrücken, 1. Teil, Seite 312).

 

Sprachlich wird allgemein in Rücksicht auf das Verbreitungsgebiet lat.-keltischer Ursprung angenommen:

 

vulgärlatein. *brogilus, *broilus;

altfranzös. bruel, bruiI;

neufranzös. breuil (= eingehegtes Gebüsch) ist nach Littré: terme d'eaux et forets, bois taillis ou buissons fermés de haies, servant de retraite aux animaux; provenzalisch bruelh, bruoil,

Wurzel kelt.-kymrisch *?brog";

keltisch bruchel, brual;

ahd. brogil, bruhil;

mhd. bruogel, bruohel, bruchel, brüwel, bruel.

In Grimms Weistümern IV finden sich stets die Formen brüeg e 1, brüchel, brüenugeI. Vielleicht ist germanischer Ursprung und Zusammenhang mit deutsch ?Bruch" anzunehmen (Vgl. den Sulzbacher Flurnamen ?Brichel", der einen alten Brühl bezeichnet).

 

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