Schriftzug

 

Am 23. September 1318 hat Bischof Daniel, der Generalvikar des Metzer Domkapitels, einen Ablaßbrief auf die Pfarrkirche St. Wendel ausstellen lassen - St. Wendel gehört damals noch zum Bistum Metz, und deshalb ist er für St. Wendel zuständig.

 

Es scheint, daß die Verehrung des heiligen Wendalinus damals einen Einbruch erlebt hat, denn er begründet seine Maßnahme mit den Worten:

 

?daß wir die Verdienste des heiligen Wandelinus demütig schätzen zu seiner Ehre, und damit er eifriger von allem Volk besucht und mit größerer Verehrung ausgezeichnet werde,?

 

Zwei Ablässe werden gewährt: ein 40-tägiger für alle, die Wendelins Kirche besuchen, und ein zehntägiger für die, die die Reliquie begleiten, wenn sie wie üblich aus der Kirche, in der sie ruht, getragen wird.

 

Den 40-tägigen Ablaß gibt es in der Wendalinuswoche, am Weihefest der Kirche und am Karfreitag sowie an den Festen der Maria, der Katharina, der Maria Magdalena, des Nikolaus und am Fest der Weihe der Magdalenenkapelle. Der genaue Tag der Weihe der Kapelle wird leider nicht genannt.

 

Immer wieder wird darüber diskutiert, ob vor dem Bau des heutigen Domes die Magdalenenkapelle sowohl Grab- als auch Pfarrkirche gewesen sei. Diese Diskussion stützt sich im wesentlichen auf diese Urkunde von 1318 und auf den darin genannten Umstand der Translation, zu deutsch: der Übertragung. Gemeint ist die Überführung der Reliquie. Wohin? Nun, zur Disposition stehen zwei Gebäude: die Magdalenenkapelle und die Vorgängerin der Wendalinusbasilka. Der Dom, wie er im Volksmund genannt wird ? es war nie einer, weil wir nie einen Bischof hatten - wurde 1460 fertiggestellt und ist lange Zeit in Bau gewesen - wie lange, das wissen wir nicht.

 

Für die allseits angenommene Fertigstellung des Chors im Jahre 1360 gibt es keine zeitgenössische Quelle - ein Trierer Geistlicher namens Brower schreibt zwar darüber, aber erst 250 Jahre später. Den Chor nennt er dabei gar nicht, sondern nur die Kirche an sich. Bischof Boemund von Trier habe sie zusammen mit den St. Wendeler Bürgern erbaut, und sie sei 1360 eingeweiht worden. Seine Quellen nennt er leider nicht.

 

Unser Problem ist, daß wir vor 1318 nur sehr wenige Originalquellen haben, die zudem über die Verehrung des heiligen Wendalinus nicht viel hergeben. Im 10. Jahrhundert hieß St. Wendel noch Basonisvillare, - und es dauert gut 200 Jahre, bis die nächste Urkunde ? die von 1180 - diesen Namen nicht mehr kennt und den Ort und die Kirche stattdessen St. Wendel nennt. Daß die Verehrung des heiligen Wendalinus in St. Wendel den Wechsel des Ortsnamens verursachte, ist unstrittig.

Unbekannt ist, ab wann wir eine Reliquie haben.

Unbekannt ist auch, in welchem Gebäude sie aufbewahrt wird. Ich persönlich halte es für unwahrscheinlich, daß der Heilige ursprünglich sein Grab in der Magdalenenkapelle hatte, sonst wäre die wohl Wendalinuskapelle genannt worden.

 

Im Großen und Ganzen schließe ich mich Alois Selzers Ansicht an:

 

Ursprünglich ruhten die Gebeine des heiligen Wendelin in einem Erdgrab in der älteren Wendalinuskirche. Als man mit deren Umbau begann, wurden sie in die Magdalenenkapelle übertragen, wo sie in einem Steinsarg in eine Bodenvertiefung versenkt wurden. Zur Feier des Ortes schuf man darüber eine würdige Dekoration, die Tumba. Als nach Überführung der Gebeine aus der Magdalenenkapelle in die Pfarrkirche die Tumba keine Verwendung mehr fand, blieb diese in der Magdalenenkapelle. Als Erinnerung an diese Zeit in der Magdalenenkapelle trug man den hl. Wendalinus später bei besonderen Anlässen von der Pfarrkirche eben in die Magdalenenkapelle.

 

Bei der Ausarbeitung dieses Artikels ist mir aufgefallen, daß die Urkunde von 1318 eindeutig Stellung bezieht. Denn hier werden die Kirche Wendelins einerseits und die Magdalenenkapelle andererseits genannt ? und es wird definitiv zwischen ihnen unterschieden. Lange, bevor die heutige Basilika in Auftrag gegeben werden konnte.

 

=> Altar und Friedhof

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