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Geschichte(n) -> 1836 Feuer im Graben

St. Wendel den 9ten März 1836.

 

An den Regierungsrath Engelmann

 

Dienstag am Abend des 8ten dieses Monats brach ohngefähr 1/4 nach 9 Uhr in den Stallungen des Metzgers Blaumaier im Graben Feuer aus. In einem Augenblick schlugen die Flammen über das Gebäude, in dessen oberer Raum eine bedeutende Masse Heu lagerte, zusammen und gewährten einen Schrecken erregenden Anblick. Durch das Läuten der Glocke eilte rasch von allen Seiten Hilfe herbei.

 

Die Wasserreicher ordneten sich und binnen kurzem gelang es dank der unermüdeten Thätigkeit der Rettenden, Meister des Feuers zu werden, was bei einem wenigerigen Eifer sehr gefährlich für den unteren Theil der Stadt hätte werden können.

 

Wer heute die Brandstätte sieht, sollte kaum glauben, daß es möglich war, dem gewaltigen Elemente, welches bereits mit ganzer Kraft wüthete, so hemmend entgegen treten zu können, als es hier geschah.

 

Indem Ew. Hochwohlgeboren ich hiervon die gehorsamste Anzeige mache, erwähne ich die Personen, die sich bei dem Feuer auszeichneten:

 

1. Herr Friedensrichter Knauer gab durch ununterbrochene thätige Hilfe an dem brennenden Gebäude ein schönes Beispiel zur Aufmunterung.

 

2. die Zimmerleute Nicolaus Thome und dessen Gehilfe Georg Leist; Zimmermann Georg Steinbach; Zimmermann Mathias Werle

 

3. Nicolaus Riefer und Peter Volz und Nicolaus Jundong arbeiteten unermüdet mit den Feuerhacken und trugen besonders dazu bei, daß das Feuer von den anhängenden Stallungen abgehalten wurde.

 

4. leistete die Feuerspritze durch die vorzügliche Leistung der Spritzenmeister Anton Weisgerber und Nicolas Back sowie Blechschmied Christian Näher ausgezeichnete Dienste.

 

5. versahen die Geometer Schmoll und Johann Andreas Psotta und Friedrich Neuberger, welche sich im Todtbach postiert hatten, die Wasserreicher während des ganzen Brandes mit Wasser.

 

6. leisteten mehrere Damen als: die Frau des Herrn Steuereinnehmer Massing, Catharina Knoll, Anna Maria Jochem und die Philippina Feickert in dem Wasserreichen von Beginn bis Ende und zwar die drei erstern ganz in der Nähe des Feuers thätige Hilfe, weshalb auch diese, um so mehr lobend erwähnt werden müssen, als ihre Hilfe ein Sporn für andere Individuen weiblichen Geschlechts der niedern Classe war, und

 

7. endlich unterhielten die Gebrüder Rath Carl Cetto und Stadtrath Nicola Cetto durch freundliches Zureden einen regen Eifer in den Wasserreichen und namentlich letzterer, der überdies eine Masse Gefässe an die Brandstätte bringen ließ, wodurch nach der Dämpfung des Feuers solche zur Bequemlichkeit der zurückgebliebenen Wache immer damit versehen war.

 

Die Ursache des Feuers ist bis jetzt unbekannt. So wie ich in meiner Untersuchung näheren Aufschluß erhalte, werde ich sogleich hiervon die Anzeige machen.

 

 

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Stadtarchiv Wnd, C2-146 Feuergefährliche Anlagen; Feuerlöschwesen, Feuerschau, Feuersbrünste, Löschgerätschaften, Blitzableiter, Feuerspritzen, Beaufsichtigung der  Feuerversicherungsagenten 1836 - 1893

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