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Das rote A mit Schlange und Giftkelch

eine kurze Geschichte der St. Wendeler Apotheken

 

 

Apotheken gibt es in St. Wendel schon seit über 250 Jahren.

 

Davor wurden die Arzneien von den Ärzten selbst hergestellt. Als am 26. Februar 1658 der St. Wendeler Wundarzt und Organist Peter Scherer gen. "Kepper" oder "Keuper" und seine Ehefrau Anna Agnes einen Erbvertrag schließen, wird darin vereinbart: "Wenn Peter vor seiner Hausfrau stirbt, soll sie alle fahrende Habe erhalten, die er von ihr hatte, ausgenommen seine Arzneibücher, die jemand haben soll, der die Arzneikunst lernen möchte."

 

Max Müller schreibt, daß man besondere Arzneien aus benachbarten Apotheken, z.B. aus Homburg, holen ließ. Aus dem Jahre 1625 meldet uns die St. Wendeler Gemeinderechnung, daß man den Stadtrechner Hans Rüssen und Hans Demuth für "die Besorgung der Arznei nach Reichenbach" geschickt hatte, dabei entstanden Ausgaben von 1 Thaler 6 albus. Da die beiden Männer über Nacht wegblieben, kamen weitere 2 Thaler 6 albus hinzu. Leider erfahren wir nicht, um welche Arznei es sich handelte und wer sie benötigte.

 

Die sonst üblichen Heilmittel lieferten fahrende Händler. So, wie heute noch auf den großen St. Wendeler Märkten Gewürze und Kräuterbonbons angeboten werden, so boten auch in früherer Zeit die Händler und Krämer ihre Gewürzmischungen und Arzneien an. Beispielsweise wird in der Liste der Schuhmacherzunft aus dem Jahre 1582 eine Margarethe, "abraham würtzß Kremer sein Haußfrauwe", genannt. Noch 1786 waren in St. Wendel die Enziankrämer aus Tirol so zahlreich, daß sie die Vergabe ihrer Stände um die Wendalinuskirche untereinander auslosten mußten. Allerdings dürfte der von Max Müller genannte "Kräutler Barthel" nichts mit diesem Geschäft zu tun gehabt haben, denn er war Glaser und taucht in der Amtsrechnung von 1652 auf, als er in der oberen Stube des Hirtenhauses ein Fenster repariert.

 

Der älteste bekannte Apotheker in unserer Stadt hieß Johann Braun. Er stammte aus Trier und ließ sich schon vor 1747 in St. Wendel als "Appodecker" nieder. Seine Ehefrau Maria Magdalena starb am 24. September 1747 bei der Geburt ihrer Tochter Maria Magdalena. Der Sterbeeintrag gibt den Beruf ihres Ehemannes mit "Apothecarii in Sto. Wendalino" an. Im darauffolgenden Jahr brachte am 10. November 1748 Brauns zweite Ehefrau Margaretha wieder eine Tochter zur Welt, die Margaretha Josefina genannt wurde. Ein Register vom 30.12.1747 nennt ihn mit Namen und Berufsbezeichnung "Hr. Appodecker Braun". Am 20. September 1749 verzog er nach Trier. Dort erhielt er am 14. Februar 1750 ein Privileg zur Errichtung einer Apotheke in Trier, der letzten noch im Kurstift genehmigten Apotheke der Stadt.

 

Julius Bettingen vermutet, daß er gleichzeitig auch praktischer Arzt war. Das widerspricht zwar der damals schon seit 500 Jahren gesetzlich festgelegten strikten Trennung zwischen Arzt und Apotheker, doch scheint es im Amt St. Wendel durchaus übliche Praxis gewesen zu sein.

 

Im Jahre 1797 wollte der Königlich-Kaiserliche Feldapotheker Herrmann Gottfried Knaps aus Niederachern, Grafschaft Ortenau, in St. Wendel eine Apotheke gründen. Er legte ein Zeugnis vor, wonach er im Jahre 1791 als Feldapotheker in Temesvar und 1792 in Baden gestanden, auch als Provisor die Apotheke zu Oberkirch versehen habe. Sein Gesuch wurde aber am 5. April 1797 abschlägig beurteilt, weil sämtliche Krämer mit dergleichen Medikamenten versehen seien und auch weil der Amts=Chirurgus Steininger eine kleine Apotheke eingerichtet habe, welche er erweitern wolle, sobald die Zeiten wieder friedlicher werden.

 

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