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Geschichte(n) -> 1945 Der heilige Wendalinus kehrt zurück in seinen Dom.

Vor zwei Jahren erhielt ich einen Teil des Nachlasses des St. Wendeler Lehrers, Zeitungskorrespondenten und Heimatforschers Raimund Fuchs. In diesen Papieren fand ich heuer einen Bericht des damaligen St. Wendeler Pfarrers Heibges vom 9. Mai 1945. Er schreibt über die Bergung der Wendalinus-Reliquie aus dem Keller des Küsterhauses zwei Tage zuvor.

 

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Der heilige Wendalinus kehrt zurück in seinen Dom.

 

Im Jahre des Herrn 1945 am 7. Mai wurde die Lade mit den Gebeinen des hl. Wendalinus aus dem Keller des Organistenhauses zu St.Wendel, Balduinstrasse Nr. 30, wohin sie am 2. September 1939 gebracht worden - zum Schutz gegen die Kriegsgefahren auf der Erde und aus der Luft - wieder erhoben. Anwesend waren Dechant Matthias Heibges, Organist Willibrord Endres und seine Gattin und seine Tochter Cäcilia Clemens geb. Endres, Arzt Dr. Emil Riegel, Bildhauer Jakob Fuchs, Schreiner Peter Liell, Installateurmeister Julius Flecke, Stadtinspektor Franz Wahl, Adolf Thome, Kaufmann Peter Eckert, Bauunternehmer Ballerio sen. Da der Versuch, die Schlösser der Lade zu öffnen, im Keller misslang, wurde dieselbe in die Wohnung des Organisten gebracht. Mit Oel wurden die Schlösser gangbar gemacht und am Morgen des 8. Mai aufgesperrt. Der Zustand des Inhaltes der Lade wurde festgestellt in Gegenwart des Dechanten und der Herren Dr. Riegel, Fuchs, Flecke und Endres. Der Glassarg war ohne Bruch und Schaden, die Siegel des Bischofs von 1924 unverletzt.

 

Das Innere des Glassarges war mit weissem Schimmel bedeckt, sowohl die hl. Gebeine als auch die grünen Sammtunterlagen. Die Notwendigkeit der Rettung der hl. Reliquien, da keine Verbindung mit dem Bischof zur Zeit möglich ist, schien dem Dechanten Grund genug, den Sarg zu öffnen. Die Bischöflichen Siegel wurden gelöst, und die hl. Gebeine, die auf dem mit grünem Samt bespannten Brett angeheftet waren, vorsichtig herausgehoben und auf einen Tisch gelegt.

 

Der anwesende Arzt Herr Dr. Riegel machte den Vorschlag, die hl. Gebeine mit reinem Alcohol abzutupfen. Er selbst begann diese Arbeit mit grösster Sorgfalt und Ehrerbietung, vier Schwestern aus dem Marienkrankenhaus - Chrysanta, Hortensia, Simonpetra und Ambrosia - unterstützten Dr. Riegel. Der Erfolg war sehr gut: Die hl. Gebeine wurden vom Schimmel vollkommen rein und auch die Unterlage ziemlich frei. Der Samt ist vielfach schadhaft und muss erneuert werden, sobald ein würdiges Material zu Gebote steht.

 

Die hl. Gebeine waren fest und ohne jeden Schaden ihrer Substanz. Man hätte Sorge haben können bei dem fast sechsjährigen Aufenthalt derselben in einem feuchten Keller.

 

Der weisse Schleier, der die hl. Reliquien einhüllte, war ganz feucht und unansehnlich geworden. Frau Cäcilie Clemens geb. Endres schenkt dem hl. Wendalinus ihren Brautschleier.

 

Die Lade wurde von allem Schimmel gereinigt, die verdorbene Seidenbespannung durch eine neue weisse Seide ersetzt, die Kaufmann Heinrich Ecker stiftet und Polsterer Josef Lauer fachmännisch anbringt. Es konnte nicht verhindert werden, dass viele Leute Kunde erhielten von der Möglichkeit, die hl. Gebeine aus der Nähe zu sehen, und zahlreich herbeikamen, um sie zu verehren.

 

Am Mittwoch, den 9. Mai 1945, in der Vigil von Christi Himmelfahrt um 18 Uhr hielt der Dechant vor den hl. Reliquien eine kurze Andacht und legte mit Hilfe des Dr. Riegel und des Jakob Fuchs dieselben in die Lade zurück, versiegelte die aufgelegte Glasscheibe mit dem Pfarrsiegel von St. Wendalin und verschloss die Lade mit drei Schlüsseln.

 

St. Wendel, den 9. Mai 1945.

 

gez. Msgr. Heibges, Pfarrer u.Dechant.

Endres, Organist

Dr. Emil Riegel, Augenarzt.

 

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