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"Lesung aus Briefen und über das Leben von Herzogin Luise“

 

Vorgetragen von Studierenden der Hochschule für Musik und Theater, Saarbrücken, aus der Schauspielklasse von Professorin Margit Reinhard-Hesedenz in historischen Kostümen"

 

So lautete der Titel der Veranstaltung, die am Dienstag, 19. September 2006, im Mia-Münster-Haus in St. Wendel stattfand. Obwohl mich der Eintrittspreis von 8,50 Euro schon etwas abschreckte, besuchte ich die Veranstaltung dennoch und war einer von etwa fünfzehn Besuchern, die mit einem sehr interessanten Abend belohnt wurden.

 

Die Texte waren samt und sonders Briefe, die zwischen etwa 1820 und 1831 zwischen den einzelnen Personen hin- und herwanderten, die im Leben der Luise, Herzogin von Sachsen, eine Rolle gespielt haben. Es handelt sich zum Teil um Briefe, die auch in dem neuen Buch von Josef Dreesen und Gerhard Schnur über die Herzogin veröffentlicht wurden. Josef Dreesen, der Historiker, der die zur Zeit laufende Ausstellung im Wesentlichen mit zusammenstellte, nannte die Lebensdaten der Herzogin in kurzer Form und führte dabei die Akteure ein, in dem er sie bei den Namen der Charaktere nannte, die sie vertraten.

 

Aber die Briefe im Buch zu lesen oder sie von jungen Schauspielerinnen (und einem Schauspieler, der den Ernst verkörperte) vorgetragen zu hören, das ist schon ein Riesenunterschied. Die Akteure waren in zeitgenössische Kostüme geschlüpft und bewegten sich vor, zwischen und hinter den Zuschauern, so daß auf einen vorgetragenen Brief plötzlich eine Antwort aus der gegenüberliegenden Ecke des Raumes kommen konnte.

 

"Vorgetragen" heißt nicht "vorgelesen" und bedeutet erheblich mehr als "selbst gelesen". Nicht nur rein äußerlich hatten sich die Schauspieler der Zeit, die sie repräsentierten, angepaßt, sondern sich auch mental auf diese Zeit eingestellt und vor allem in die Figuren, die sie repräsentierten. Zum ersten Male wurde mir das bewußt, als Herzog Ernst in den Raum stolzierte und mit harscher Stimme einen Brief intonierte, in dem seine Rage so richtig zum Ausdruck kam. Und auch die Instructions-Punkte, die der der Hofdame von Uttenhoven diktierte, die Luise nach der Scheidung in die Verbannung nach St. Wendel begleitete, kamen sachlich und kalt und verstärkten eigentlich nur den überaus schlechten Eindruck, den mancher Besucher über Herzog Ernst schon mitgebracht hatte. Die Krone setzte der Brief auf, den er nach ihrem Tod von Coburg aus schrieb. Im Ton der Worte "Höchst interessant würde es mir sein von ihren letzten Lebenstagen genauere Kunde zu erlangen" erklang Gnadenlosigkeit und eine gewisse Erleichterung, daß dieses Kapitel jetzt endgültig abgeschlossen sei.

 

Ein Brief, der für die Schreiberin sehr schmerzlich gewesen sein muß, wurde so emotional vorgetragen, daß man die Tränen und den Schmerz der Verfasserin beim Schreiben in der Stimme der Schauspielerin ohne Mühe hören - und fühlen - konnte. Das ging (und wie ich an den Reaktionen des Publikums sehen konnte: nicht nur mir) richtig "bei".

 

Die Briefe beginnen, als das Verhältnis zwischen Ernst und Luise schon in einer Krise steckte. Sie erzählen von den Schlichtungsversuchen, aber auch den Intrigen, die gesponnen wurden, schließlich von der unausweichlichen Trennung und der Scheidung und enden mit Ernsts bereits erwähnter Reaktion auf Luises Tod.

 

Ein paar Lacher gab es trotz all der Tragik, wenn Luise z.B. über St. Wendel schrieb: "Die Stadt ist sehr Gräßlich. Am ersten Tag wurden mir die Herrn vorgestellt und Gestern Abend die Damen, manche kuriosen Figuren waren darunter" oder in einem anderen Brief über eine Reise, die sie durch zahlreiche deutsche Städte und schließlich über Kaiserslautern wieder zurück nach St. Wendel führte: "… aber was für ein Weg von Homburg nach St. Wendel, selbst du würdest dich gefürchtet haben."

 

Aber auch ein paar erstaunte Blicke gab es, etwa als aus einem Brief aus der Feder von Ernst herausklang, als ob er von Hanstein, den späteren zweiten Ehemann von Luise, mit Absicht nach St. Wendel geschickt habe. Mein Nachbar warf mir einen erstaunten Blick zu und meinte: "Das hört sich fast so an, als ob Ernst den von Hanstein auf Luise "angesetzt" habe."

 

Es war ein überaus gelungener Abend, was nicht zuletzt der Auswahl und Zusammenstellung der Briefe durch Josef Dreesen und auf jeden Fall der trefflichen Inszenierung durch die jungen Schauspieler der Hochschule für Musik und Theater, Saarbrücken, zu verdanken war.

 

Wirklich schade, daß so wenige Zuschauer nur kamen - denn die anderen haben wirklich etwas verpaßt.

 

Roland Geiger, St. Wendel

 

PS1: Alle Zitate stammen aus "Luise 1800 - 1831" von Josef Dreesen und Gerhard Schnur, St. Wendel, 2006

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