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Nikolaus Steininger

 

Einer von Steiningers Söhnen war der bekannte Dr. Nikolaus Steininger (1799-1838). Er hatte die Apothekerkunst erlernt, und stand, nachdem er die Apotheke zu Saarburg bereits selbstständig verwaltet hatte, eben im Begriffe, eine zweite Apotheke in seiner Heimatstadt St. Wendel einzurichten.

 

Seine Mutter Elisabeth Steininger geb. Wassenich hatte am 3. November 1820 eine entsprechende Eingabe dem Stadtrat vorgelegt. Sie habe ?die Ehre vorzustellen, daß sie als Witwe nun eilf Jahre eine beschwerte Haushaltung in drückender Zeit geführt und keine Aufopferungen gescheut hat, fünf bey Tode ihres Mannes noch unmündige Kinder rechtschaffen zu erziehen. Ihren Sohn Nicola Steininger ließ sie die Apothekerkunst erlernen, um in ihm künftig eine Stütze zu haben.? Ihr Sohn betreibe seit einem halben Jahr die Apotheke in Saarbourg bei Trier, schreibt sie weiter, und führte als weiteres Argument das unfaire Monopol der einzigen bisherigen Apotheke in St. Wendel an.

 

Der Stadtrat befragt seinen ortsansässigen Spezialisten, den Kreisphysikus Dr. Johann Machry, und bittet ihn um eine fachliche Stellungnahme in diesem Fall. Machry fallen auch gleich zwei gute Gründe ein, die gegen die Annahme des Steiningerschen Gesuches sprechen. Zum einen ? so schreibt er in seiner Stellungnahme vom 13. November, sei das Gesuch unstatthaft, weil noch nie jemand eine Apotheke eingerichtet, der nicht selbst gelernter Apotheker sei. Er bezieht sich auf die Preussische Apothekenordnung. Außerdem sei der junge Steininger noch zu jung, geb. 22. Pluviose 7, also am 13.02.1799, demnach erst 20 Jahre 9 Monate alt. Er müßte aber nach Art. 8 mindestens acht Jahre praktiziert haben.

 

Der Stadtrat erklärt in seiner Sitzung am gleichen Tage:

?In Erwägung, daß das Monopol der einen Apotheke für jene welche derselben bedürftig sind, äußerst nachteilig ist, in dem man weder die Wahl zwischen guther und beßerer Waare hat, und mit jedem Preiß zufrieden seyn muß, den der alleinige Apotheker fordert, welches alles bey einer Concurrenz aufhört.

 

In Erwägung, daß die Errichtung einer zweiten Apotheke aus obiger Hinsicht, nicht nur für das allgemeine nützlich, sondern auch für die Wittwe Steininger den Lohn ihrer Bemühungen sichert, welchen sie an die ausgezeichnete Erziehung ihrer Kinder verwendet hat.

 

In Erwägung, daß deren Sohn die Apothekerkunst erlernt hat, und dadurch, daß ihm von seiner Behörde eine Apotheke in Saarburg anvertraut worden, seine Fähigkeit hinlänglich beweißt

 

In Erwägung, daß die Errichtung einer zweiten Apotheke schon lang der allgemeine Wunsch war.

 

In Erwägung aber, daß bey einer Concurrenz in Hinsicht der Herabsetzung der Preiß schlechte Waren herbeigeführt werden könnte,

 

wünscht (der Stadtrat), daß

1. eine zweite Apotheke dahier errichtet werden

2. dieselbe unter der Fa. Wittib Steininger durch ihren Sohn nach abgehaltenem Examen und anch Anerkennung seiner Tauglichkeit geführt werde

3. daß aber zur Verhütung alles eintretenden Neides und Privatvorteils worunter das allgemeine Beste leiden würde, wenigstens alle halbe Jahre beide Apotheker visitirt, und sich von der Aechtheit der Waren überzeugt werden möchte."

 

Steininger legte zehn Zeugnisse vor, die samt und sonders zu seinen Gunsten ausfallen.

 

Darunter ist ein Schriftstück, ausgestellt von Hermann Gottfrid Knaps, patentisirter Apotheker zu Bliescastel. Nicolas Steininger, Sohn des verlebten Nicolas Steininger, Gesundheitsbeamter in St. Wendel, habe bei ihm die Apothekerkunst erlernt und war zwei Jahre und vier Monate in der Lehre. Er habe immer zu seiner vollkommenen Zufriedenheit gearbeitet. Sein Lehrgeld habe 30 louis d?or betragen.

 

Die anderen Zeugnisse werden durch Herrn Gerlinger, Apotheker und Medicinalassessor in Trier, F. Lhr. Fritz, Apotheker in Mellrichstadt bey Sachsen, J. V. Niethammer, Pharmacien in Wasselonne, Frankreich, Joh. Cirilly aus Möhrs bei Nürnberg, Kreisphysicus Schneiders, M: Dor, Saarburg und Friedrich v. Dercum, Apotheker in Bliescastel, ausgestellt. Schließlich gehört noch ein Zeugnis von Steinigers Bruder Johann dazu, Lehrer der physischen Wissenschaften am Trierischen Gymnasium, hinzu. Er bescheinigt, daß sein Bruder Nicolas im verflossenen halben Jahr "während ungefähr dreyer Monate täglich Privatunterricht in der Chemie bey ihm genommen" habe.

 

Der Stadtrat hatte also zugestimmt, aber Steininger überlegte es sich anders und faßte den Entschluß, Medizin zu studieren, welchen er dann auch mit großem Eifer und in kürzester Frist ausführte, worauf er sich am 25. November 1825 als praktischer Arzt und Wundarzt in St. Wendel niederließ.

 

Bevor wir weiter in der St. Wendeler Apothekengeschichte fortfahren, bleiben wir noch einen Moment bei Dr. Machry, der ungefähr zur gleichen Zeit auch bei einem anderen Gesuch um seinen fachlichen Rat gebeten worden war.

 

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