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"Hab Sonne im Herzen"

Ein Poesie-Album aus St. Wendel aus dem Jahre 1912

 

Luise Bous, genannt "Lissy", war eine Tochter des Bahnhofsgastwirtes Heinrich Bous und besuchte 1912 die Höhere Töchternschule in St. Wendel. Diese war in einem Gebäude in der Mott untergebracht. Sie heiratete 1922 den Kreis-Amtmann Heinrich Born aus Baltersweiler und wohnte fast ihr ganzes Leben lang im selbsterbauten Haus in der Cusanusstraße. 1991 starb sie im Hospital St. Wendel.

 

Als dort ihre Wohnung ausgeräumt wurde, gelangten einige Papiere wie z.B. der rote Personalausweis aus Völkersbundszeiten (ausgestellt 1922) und auch ihr Poesie-Album über Flohmärkte bis nach Baden-Württemberg. Zehn Jahre später steigerte ich diese Objekte in Ebay. Später habe ich das Album verschriftet und als Nummer 8 in der Reihe "gestern" herausgebracht. Neben Gedichten von Schiller, Storm und Uhland finden wir darin typische Vertreter der Sinnsprüche, Ermahnungen und gute Ratschläge aus Poesie-Alben, die auch heute noch Verwendung darin finden. Vielleicht ein bißchen abgewandelt, wie der uralte Spruch "Immer lustig, immer froh, wie der Mops im Paleto". Nun ist das Wort "Paleto" längst aus dem Sprachgebrauch verschwunden, und so wurde "Haferstroh" draus. Dem Sinn - oder Unsinn - tut das keinen Abbruch.

 

Die Schreiber der Sprüche und Gedichte sind in der Regel Schulfreundinnen von Lissy Bous. Neben ihrer Klassenlehrerin Elfriede Loss finden wir Namen aus alten St. Wendeler Familien: Olga Alsfasser, Antonie Barz, Ch. Becker, Irma Berl, Selma Eppstein, Hertha Friedrich, Margarethe Hofer, Elly Jung, Elli Klein, Emmi Knoll, Elisabeth Kockler, Berta Litz, Heinrich Müller, Maria Müller, Elisabeth Müller-Uebel, Maria Munkes, Emilie Rehkopf, Kätchen Schmidt, Mathilde Schneider, Anna Strauß, Elisabeth Theiß, Maria Catharina Thelen, Oskar Thiel, Christina Wiemers, Elisabeth Wiemers und Emilie Wilhelm. Die Tochter des damaligen Landrates, Ilse von Aschoff, ist ebenso vertreten wie Lissys späterer Ehemann Heinrich Born in einem Nachtrag von 1920. Aus Baltersweiler kommt die engagierte Sozialarbeiterin Anna "Änne" Meier zu Wort, deren Auswahl " Du hast zwei Ohren und einen Mund" von Friedrich Rückert eine Vorahnung auf ihren eigenen Lebensverlauf gibt.

 

Zusätzlich zu den Originaleinträgen im Album habe ich mich bemüht, zu jedem "Schreiber" die Lebensdaten zusammenzustellen: Geburtsdatum, Eltern, Wohnort(e), späterer Ehepartner, so daß mancher Leser seine eigene Mutter, Großmutter oder Tante unter ihnen finden wird.

 

 

A5, 60 Seiten

broschiert

 

 

"Hab Sonne im Herzen, ob's stürmt oder schneit,

ob der Himmel voll Wolken, die Erde voll Streit!

Hab Sonne im Herzen, dann komme was mag!

Das leuchtet voll Licht dir den dunkelsten Tag!

                                                                                                  

Hab ein Wort auch für andre in Sorg' und in Pein

und sag', was dich selber so frohgemut läßt sein:

Hab ein Lied auf den Lippen, verlier nie den Mut,

hab Sonne im Herzen und alles wird gut!"

 

Cäsar Flaischlen (1864 ? 1920)

 

 

"Du hast zwei Ohren und einen Mund;

Willst du's beklagen?

Gar vieles sollst du hören und

Wenig darauf sagen!

 

-----------------

 

Du hast zwei Augen und einen Mund.

Mach dir's zu eigen:

Gar manches sollst du sehen und

Manches verschweigen!

 

-----------------

 

Du hast zwei Hände und einen Mund;

Lern es ermessen:

Zweie sind da zur Arbeit und

Einer zum Essen."

 

Friedrich Rückert (1788-1866), deutscher Dichter, Übersetzer und Orientalist

 

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